Er macht die teuerste Kunst der Welt, aber sein Galerist, Larry Gagosian, warb für ihn, als wollte er den Londonern ein Paar Turnschuhe verkaufen: Stundenlang kreiste vergangenen Herbst ein Hubschrauber über der Londoner Innenstadt. An seinen Kufen hing ein riesiges Banner; groß genug, dass jeder die Werbung lesen konnte: »Gagosian – Pop Art is… Jeff Koons«. Es war der Tag, an dem die Frieze ihre Tore öffnete, eine der wichtigsten Kunstmessen der Welt, und in den folgenden Tagen wurden auf den Messeständen, in den zahllosen Galerien der Stadt und auf diversen Auktionen mehrere Hundert Millionen Pfund für zeitgenössische Kunst ausgegeben. Bei Sotheby’s in New York fiel kürzlich der Hammer für das »hängende Herz«, eine Skulptur von Koons, bei über 23 Millionen Dollar – der höchste Preis, der je bei einer Auktion für die Arbeit eines lebenden Künstlers gezahlt wurde.

Um Kunst wird heute nicht nur mehr Wirbel gemacht, es wird dafür auch mehr Geld denn je ausgegeben. Nach einer Studie des Kunstversicherers Hiscox ist der globale Markt für die Kunst der klassischen Moderne, auf dem Künstler von Picasso bis Beuys gehandelt werden, allein im vergangenen Jahr um 44 Prozent gewachsen. Der Markt für zeitgenössische Kunst wie die von Gerhard Richter und Damien Hirst gar um 55 Prozent.

Händler wie Larry Gagosian oder der Schweizer Galerist Ivan Wirth eröffnen jedes Jahr neue Verkaufsflächen in London und New York. Die Berliner Galerie Contemporary Fine Arts bezog erst vergangenen Herbst neue Räume an der Museumsinsel, in denen nun Künstler wie Georg Baselitz, Jörg Immendorff und Jonathan Meese verkauft werden – direkt neben den Kulturschätzen der letzten zweieinhalbtausend Jahre.

Der globale Kunstmarkt hat heute einen Gesamtwert von rund 28 Milliarden Dollar, und mit immer mehr Geld aus Indien, China und Russland meldet er fast wöchentlich neue Superlative. Gemälde, Skulpturen, Videoinstallationen und Fotografien sind mittlerweile begehrte Anlageobjekte, von denen hübsche Renditen erwartet werden.

»Globale Schocks können einem van Gogh nichts anhaben«

Dabei hat Geldanlage in Kunst vor allem einen Vorteil: Auf die üblichen Indikatoren, die Aktien oft kurzfristig in den Keller gehen lassen, reagiert sie kaum. »Der Ölpreis kann steigen, Inflationszahlen oder die Arbeitslosenquote können mies ausfallen – der Kunstmarkt ist gegenüber all diese Ereignisse relativ immun«, sagt der Londoner Kunstmarktexperte Stuart O’Donnell. »Selbst globale Schocks wie der 11. September 2001, die oft katastrophale Folgen für den Aktienmarkt haben, ändern nichts an dem langfristigen Wert eines van Goghs oder eines Picassos.« Mit diesem Argument traten in den letzten Jahren immer mehr Kunstfonds an und versprachen ihren Anlegern Renditen von zehn Prozent und mehr.

Wie Schiffsbeteiligungen oder Immobilienfonds sind die meisten von ihnen geschlossene Fonds mit begrenztem Volumen und fester Laufzeit. Auch die Hamburger Art Estate AG bietet ihre Fonds nach diesem Modell an. Mit einem Mindesteinsatz von 2.500 Euro beteiligt sich der Anleger »an einem Portfolio von Kunstwerken international renommierter deutscher und USamerikanischer Künstler, über deren generellen Stellenwert nicht mehr spekuliert wird«, erklärt Vorstandsmitglied Bernd Salomon. Bis zur Ausschüttung im Jahr 2021 kann der Investor laut Prognosen dann mit einer jährlichen Rendite von zehn Prozent rechnen. Mit den richtigen Künstlern im Portefeuille und bei Fortsetzung des aktuellen Trends sind solche Gewinne nicht ausgeschlossen.