Am 16. September 2007 erschossen amerikanische Söldner im Zentrum von Bagdad mehrere irakische Zivilisten. Der Vorfall, keineswegs der erste dieser Art, führte zu einer Untersuchung durch das FBI und lenkte die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Arbeitgeber dieser Männer, die Firma Blackwater Inc.

Der Name bedeutet nichts Finsteres. Blackwater ist einfach ein sumpfiger Landstrich in North Carolina, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Die unternehmenseigene Website informiert darüber, dass die Firma »ein großes Spektrum von Ressourcen und Kernkompetenzen effizient und effektiv integriert, um einzigartige und zeitgemäße Lösungen zu bieten, die die erklärten Wünsche und Erwartungen unserer Kunden übertreffen«. Ihre »zentralen Werte«, so erfahren wir, sind »Integrität, Teamarbeit, Innovation, Respekt, Verantwortung, Exzellenz und Effizienz«.

Was Blackwater von ähnlichen Firmen unterscheidet, ist hauptsächlich seine Größe. Das Unternehmen bietet Sicherheitsdienste auf der ganzen Welt an; wenn »Sicherheitsdienst« kämpfen und töten bedeutet, dann ist das eben Pech. Die Tatsache, dass Blackwater mehr Männer im Irak hat als in irgendeinem anderen Land, dann spiegelt das nur die Schwierigkeiten, die die Vereinigten Staaten damit haben, den Krieg dort zu beenden.

Aber wer sind diese Söldner? Woher kommen sie, und warum tauchen sie plötzlich in den Nachrichten auf?

Söldner, unter denen ich hier temporär eingesetzte Soldaten verstehe, die für ihren Lebensunterhalt kämpfen, gehören zu den ältesten Truppen überhaupt. König David hatte Söldner (»die Krether und Plether«), und als sich sein Sohn Absalom gegen ihn erhob, waren sie die einzigen Truppen, die loyal blieben. Athen unterhielt während des Peloponnesischen Krieges kretische Söldner, die als Spezialisten im Gebrauch von Bogen und Schleuder galten. Hellenistische Könige setzten ebenso Söldner ein wie die Römer und die byzantinischen Herrscher; die »varangianischen« Söldner (Wikinger) gingen eigene Wege, durchstreiften den gesamten Mittelmeerraum und drangen im Osten bis zum Jordan vor. Die Herrscher des frühen Mittelalters dagegen griffen eher selten auf Söldner zurück, denn dafür war ihre Ökonomie zu primitiv. Doch nach 1300 belebte sich ihre Verwendung wieder. Die Genueser Armbrustschützen, die 1346 bei Crécy geschlagen wurden, waren Söldner im Dienste Philipps VI. von Frankreich.

Schon Machiavelli befand, dass ein Söldner kein guter Mann sein könne

Söldner dienten in der Regel unter ihren eigenen Kommandeuren; besonders während der italienischen Renaissance gelangten einige von ihnen zu großem Ruhm. So zum Beispiel Bartolomeo Colleoni (1400 bis 1475), Cesare Borgia (1475 bis 1507) und Giovanni delle Bande Nere (Giovanni von den Schwarzen Flaggen, 1498 bis 1526). Der große Vorteil von Söldnern bestand darin, dass es sie nicht kümmerte, gegen wen sie kämpften. Allerdings, Söldner, die ihren Sold nicht erhielten, packten einfach ihre Sachen, kehrten heim oder wechselten die Seiten – pas d’argent, pas de Suisses, hieß es. Andere erhoben ihre Waffen sogar gegen ihren Auftraggeber, und manches Mal übernahmen sie dabei, wie Francesco Sforza (1498 bis 1526), gleich einen ganzen Staat.

Einige dieser Männer sanken ruhmreich in ihre Gräber, andere wurden von ihren Zeitgenossen und von späteren Generationen zutiefst verabscheut. Wie ihre lange Geschichte zeigt, galt weder der Söldnerdienst noch die Anstellung von Söldnern als besonders verwerflich. Machiavelli, der sie hasste, glaubte, ein Söldner könne kein »guter Mann« sein. Er behauptete, sie ließen sich nur auf Scheingefechte ein und suchten schnell das Weite, wenn es brenzlig werde. Doch kaum jemand folgte Machiavellis Rat und wollte auf Söldnerheere verzichten. Sowohl der französische Bürgerkrieg von 1562 bis 1598 als auch der Aufstand der Niederlande (1568 bis 1648) und der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) wurden hauptsächlich von Söldnerarmeen ausgefochten.

Nach 1648 erlebten die Söldnerheere einen schleichenden Niedergang – parallel zum Aufstieg des Absolutismus. Denn absolute Monarchen wollten vollständige Kontrolle über alles und jedes. So wie Ludwig XIV. jeden Baum in Versailles in Form einer Pyramide oder eines Kubus stutzen ließ, so hatten die Soldaten in Reih und Glied zu stehen und jedem Befehl zu gehorchen. Um Kontrolle auszuüben, musste man über professionelle Truppen verfügen. Das setzte langfristig dienende Soldaten voraus – unter Kommandeuren, die keine Vertragsunternehmer, sondern besoldete Amtsträger der Krone waren.

Um eine derartige Kontrolle ausüben zu können, stellte Ludwig XIV. den Generalleutnant Jean Martinet in Dienst, und dieser Name sollte zum Inbegriff für rücksichtslos durchgesetzte, geistlose Disziplin werden. Preußen hatte bekanntlich seinen »Soldatenkönig« mit seinen langen Kerls und schweren Kürassieren; in höherem Alter konzentrierte sich Friedrich I. so sehr darauf, seine Truppen mit genau 76 Schritten in der Minute marschieren zu lassen, dass sich die Leute fragten, ob er glaube, die Erde sei flach geworden. Kurzum, obwohl die Söldner nicht verschwanden, wurden sie zunehmend als leichte, oft zweitrangige Truppe an den Rand gedrängt.

Während sich im 19. Jahrhundert das politische Gewicht vom Monarchen auf die Nation verschob, hielt der Trend zur Zentralisierung und Kontrolle weiter an. Bis dahin hatten private Unternehmer unverzichtbare militärische Dienste übernommen, vor allem Transport und Logistik, aber auch die medizinische Versorgung. Nun wurden solche Aufgaben uniformiertem Personal anvertraut, und am Ende waren sogar die Wäschereidienste militarisiert. Je mehr militärische Dienste von Staatsdienern erledigt wurden, desto weniger Platz blieb für Söldner an der Front und in der Nachhut. Ohnehin setzte sich die Auffassung durch, Söldner seien rohe, unbeherrschbare Typen, die allein auf persönliche Bereicherung aus seien. Diese Sicht spiegelte sich auch in der Entwicklung des Völkerrechts, das wiederholt versuchte, Söldner ganz zu verbieten. Was dann auch gelang.

Inzwischen gilt alles Private als gut –und damit auch der private Krieger

Zwischen 1815 und 1945 verschwanden die Söldner fast ganz aus den Kriegen, die die Großmächte damals gegeneinander führten. Sie überlebten jedoch in den Kolonialkriegen, in denen die Imperialisten aller Länder Truppen aus Einheimischen anheuerten, damit diese die Drecksarbeit erledigten. Die Franzosen beschäftigten Söldner in Algerien, die Niederländer in Indonesien und die Deutschen in Ostafrika. Nach 1945 stützten sich viele in die Freiheit entlassene Kolonialstaaten auf Söldnerheere, weil sie sich reguläre Streitkräfte nicht leisten konnten. Normalerweise blickte man auf sie herab und betrachtete sie als einen bewaffneten Haufen, der von drittklassigen Regierungen gegen drittklassige Feinde eingesetzt wird.

Doch seit 1990 ändert sich die Lage. Immer mehr Staaten entwickeln Atomwaffenarsenale und sind davon überzeugt, ihre nationale Sicherheit sei damit für alle Ewigkeit garantiert. Der Krieg verliert für sie drastisch an Bedeutung, und die Bürger dieser Staaten sehen keinen Sinn darin, sich als Söldner zu verdingen, in ein »Entwicklungsland« zu gehen, um dort in irgendeinem Kaff getötet zu werden – selbst dann, wenn dies als »Friedenssicherung« bezeichnet wird. Sinkende Geburtenziffern tun ein Übriges. Je mehr sich der Pillenknick in den reichen Industrieländern bemerkbar macht, umso geringer wird die Bereitschaft ihrer Bürger, sich zum Militärdienst zu melden und ihr Blut für ihr Land zu vergießen.

Für die Wiederkehr der Söldner gibt es tiefliegende kulturelle Faktoren. In der Politik von Margaret Thatcher und Ronald Reagan erschien plötzlich alles Öffentliche als schlecht und alles Private als gut. Der Markt sollte es richten, oder wie sich der große Donald Rumsfeld ausdrückte: Das Pentagon sollte von seiner Bürokratie »befreit« und die »gesamte kriegerische Kampffähigkeit und Kampfkapazität« der Nation gesteigert werden. Dafür musste man Vertragsfirmen hinzuziehen. Denn wenn sie in der Lage sind, Flughäfen, Kraftwerke und Gefängnisse zu betreiben, warum sollten sie dann nicht auch einen Krieg führen können?

In einer Zeit, in der die Streitkräfte schnell schrumpfen, sind viele der Vertragsunternehmer Militärs im Ruhestand, darunter Generäle und Admirale. Sie haben Uniform getragen und verhältnismäßig magere Gehälter bezogen. Nun verwenden sie ihre Fähigkeiten, um in privaten Militärfirmen so viel Geld wie möglich zu verdienen. Die meisten ihrer Angestellten sind ebenfalls ehemalige Armeeangehörige. Vom Staat ausgebildet, aus der Armee ausgeschieden oder entlassen, suchen sie jetzt nach fetteren Weiden.

Die Pointe liegt auf der Hand: Heute entwickeln sich die Dinge ähnlich wie zwischen 1648 und 1815, nur in umgekehrter Richtung. Zunächst werden Transport, Wartung, Verpflegung und die medizinische Versorgung in Friedenszeiten wieder privatisiert und in die Hände von Vertragsunternehmen gelegt. Später werden diese Unternehmen dann auch für andere »Dienstleistungen« zuständig – sie planen Strategien, arbeiten Szenarien aus, organisieren das militärische Training, testen die Verteidigungsbereitschaft und vieles mehr.

Es handelt sich dabei überwiegend um amerikanische, britische, kanadische, australische, südafrikanische und israelische Unternehmen. Sie tragen Namen wie Aegis, Dyncorp, International Risk, ArmorGroup International, Defensive Shield oder Executive Outcomes, eine Firma, die einst ganze Flugzeugladungen von Söldnern nach Afrika schickte, um in bewaffneten Konflikten »auszuhelfen«. Zunächst engagieren diese Firmen Personal in den eigenen Ländern. Dann drücken sie die Kosten und heuern Soldaten aus ökonomisch schwachen Ländern an, zum Beispiel aus dem früheren Jugoslawien, aus Chile und Jordanien. Damit wird »Verteidigung« zu einem wahrhaft internationalen Geschäft, frei nach dem Motto: »Wir haben das Know-how – wir töten Menschen.«

Vom Standpunkt des staatlichen Auftraggebers gesehen, haben private Söldner viele Vorteile. Die Männer (Frauen gibt es dort kaum) sind bezahlte Freiwillige und Ausländer obendrein. Wenn sie getötet oder verwundet werden, hält sich der öffentliche Aufschrei in Grenzen. Sie können jederzeit eingestellt und jederzeit wieder entlassen werden. Obgleich ihre Dienste nicht billig sind – einzelne Söldner können das Drei- bis Sechsfache ihrer Kollegen im Militär verdienen –, gibt es keine langfristige Verpflichtung und oft nicht einmal eine richtige Versicherung. Da sie in den Dunkelzonen des Rechts operieren, können Söldner mit den Gefechtsregeln spielen. Sie können Dinge tun, die regulären Armeeangehörigen streng verboten sind, zum Beispiel foltern. In vieler Hinsicht sind Söldner ideal dafür geeignet, die asymmetrischen, diffusen und schmutzigen Kriege zu führen, die für die moderne Welt charakteristisch sind.

Es gibt also viele Gründe, warum die Söldner auf der Weltbühne ein Comeback erleben. Einerseits sind sie Teil des allgemeinen Trends vom Öffentlichen zum Privaten und von einer staatszentrierten zu einer globalisierten Welt. Andererseits sind sie eine Reaktion auf die Nachfrage nach Menschen, die das Risiko eingehen wollen, an entlegenen Orten, über die die meisten von uns wenig wissen und die sie wenig kümmern, getötet zu werden; und außerdem sind sie schlicht und einfach ein Geschäft. Ungeachtet der aktuellen Empörung über ihre Aktivitäten ist nicht erwiesen, dass sie besser oder schlechter sind als die Truppen regulärer Streitkräfte. Sie sind wohl oder übel Teil der Welt, in der wir leben.

Aus dem Englischen von Karin Wördemann

Martin van Creveld ist Professor an der Hebrew University in Jerusalem und Experte für Militärgeschichte und Militärstrategie. Zuletzt veröffentlichte er die Studie »Kampfkraft« (Ares Verlag)