Sie glauben, dass Sie ein durchschnittlich toleranter Mensch sind? Sie würden von sich behaupten, dass Sie andere nicht wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts oder wegen irgendetwas anderem diskriminieren?

Sie weisen mit Überzeugung zurück, dass Sie ein Rassist sind? Und schon sind Sie in die Falle getappt. Sie sind ein Rassist. Und wenn Sie noch so sehr glauben, keiner zu sein. Sie müssen einfach einer sein, weil man als weißer Mensch nur rassistisch sein kann. Und wenn Sie das jetzt empört zurückweisen, dann zeigt Ihre Empörung: dass Sie rassistisch sind.

Bewiesen wird Ihnen das von Noah Sow in ihrem Buch Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus. Genauer, es wird Ihnen darin an den Kopf geworfen. Haben Sie schon einmal das Wort »Schwarzafrikaner« benutzt? Darf man sagen: »schwarze Deutsche«? Ja? Na sehen Sie. Sie sind ein Rassist. Warum? Ja würden Sie denn auch sagen: »weiße Deutsche«?

Noah Sow erzeugt eine Stimmung, wie sie in einem dieser berüchtigten Bootcamps für verstockte, unbelehrbare Jugendliche herrschen muss.

Über die ersten 80 Seiten quält und malträtiert sie ihre Leser mit Vorhalten bisja bis wohin eigentlich? Was will die Autorin? Man ahnt, es soll Provokation sein. Es ist eine, die Abwehr erzeugt. Und auch mit diesem Gefühl spielt Noah Sow. Sie ist ihr letztendlicher Beweis für Rassismus.

Das Buch ist ärgerlich. Ärgerlich, weil das Thema wichtig ist.

Selbstverständlich gibt es Rassismus in Deutschland. Ganz schlimmen, der sich in Gewalt und Demütigungen äußert. Und versteckten, der in unbedachter Sprache, nachlässigen Gesten oder einfach Gedankenlosigkeit daherkommt. Noah Sow zählt in einer großen Fleißarbeit alles auf: vom Fall Ermyas M. in Potsdam, der an der Bushaltestelle verprügelt wird und halb tot geschlagen wird, bis zu Kinderbüchern und Filmen, in denen Schwarze stereotyp als entweder hilfsbedürftig oder irgendwie undurchsichtig dargestellt werden.