Ich rief meine Mutter an, und wir trafen uns in einer Konditorei am Roseneck. Ich gab ihr meine Schlüssel unter dem Tisch und bat sie, mir ein paar Sachen aus meiner Wohnung zu holen, Unterzeug, meinen Paß, meine Reisetasche. Sie stellte keine Fragen mehr, sie wußte Bescheid. »O Gott«, sagte sie, »o Gott.« Neben ihr auf dem Tisch lag ihr Handschuh. Er zeigte noch die Spur ihrer Hand und ihrer fleischigen, dicken Finger. Ich nahm ihn, als sie nicht hinsah, an mich und steckte ihn in die Tasche.

Der Zug nach Prag war fast leer, ein Zug fast ohne Menschen, ein Geisterzug. In einem Abteil saß ein Herr, der anscheinend nicht erkannt werden wollte. Er hatte die Vorhänge zugezogen und saß, den Hut tief ins Gesicht gedrückt, hinter einer Zeitung, die er viel zu aufmerksam las. »Verzeihung«, sagte ich und ging wieder hinaus. Ich hatte ihn sofort erkannt. Es war gut zu wissen, daß man mit Max Reinhardt ins Exil fuhr. Man befand sich in guter Gesellschaft.

Das tschechische Dienstmädchen verstand kein Deutsch. Es stand breitbeinig in der Tür und rief etwas nach hinten. Ich sah verdunkelte Zimmer, herabgelassene Vorhänge, ein kleiner Mann in einem langen, gestreiften Nachthemd, das bis zum Boden reichte, erschien in der Tür. Als er mich sah, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen. »Um Gottes willen, was ist passiert? Kommen Sie herein!« Er führte mich in sein Schlafzimmer. »Haben Sie schon gefrühstückt?« Er rief dem Mädchen etwas zu.

»Erzählen Sie«, sagte Max Brod und setzte sich auf die Bettkante. Seine Zehen lugten unter dem Nachthemd hervor wie weiße Mäuse.