Ist Ihnen der Porsche Cayenne oder dessen VW-Version Touareg zu protzig/zu teuer? Und Sie wollen einen stadtgängigen Geländewagen, der nackt nicht einmal 30.000 Euro kostet? Dann probieren Sie den Tiguan, den die Wolfsburger teilweise aus dem Baukasten für Golf und Passat zusammengeschraubt haben.

Eine Show kann man mit ihm nicht abziehen; wegen des kürzeren Radstandes hoppelt er auch ein wenig auf Autobahnen älteren Datums. "Born To Be Mild", kalauert AutoMotorSport, doch in der Zwei-Liter-Diesel-Version zischt er in zehn Sekunden auf Hundert. In den Bergen frisst er sich hartnäckig durch die Schneewehen, in den engen Gassen von Florenz verträgt sich dieser Kompakt-SUV ganz gut mit Müllcontainern und quer parkenden Vespas.

Milde ist vor allem der schnurrende Common-Rail-Diesel, der bei VW endlich die nagelnde Pumpe-Düse-Maschine zu ersetzen beginnt. Milde Gefühle erzeugt der Tiguan auch bei den Insassen. Ob die Straße nass oder verschneit, kurvig oder steil ist, die Seele bleibt gelassen. Oder auf Testfahrer-Deutsch: keine Traktionsprobleme, auch nicht im Grenzbereich.

Den Seitenwind lernt man bei diesen hochbeinigen Kästen einzukalkulieren, zumal die Quertreiberei im Vergleich zu einem Monster-SUV ebenfalls milde ist. Und wer unbedingt das Abenteuer off-road sucht und dabei am Hang anfahren will, kann (serienmäßig) das "Autohold" drücken, das die Rückrollbremse beim Gasgeben löst. Das Ding ist eben ein VW: zuverlässig, gefällig, unaufregend.

Zum Schlafen ist der Tiguan allerdings nicht geeignet: Die Rückenlehne des Beifahrersitzes lässt sich kaum weiter zurückbiegen als ein Stuhl in der Lufthansa-Business-Klasse. Weiter hinten wird’s auch etwas eng, wiewohl die Rückbank sich bis zu 16 Zentimeter weit verschieben lässt, was freilich die Liegefreiheit des Gepäcks beschränkt. Flugzeugmäßig ist auch ein Extra: Klapptische für die Fondpassagiere. Hier öffnet sich ein neues Geschäftsfeld für VW: die Belieferung mit schmackhaften Mahlzeiten, die wir aus dem Flugverkehr kennen – Catering by Aeroflot.

Praktisch sind die vielen Ablageflächen und Stauräume. Dennoch eine Nörgelei: Der Deckel des Handschuhfachs kollidiert beim Öffnen unweigerlich mit den Schienbeinen des Beifahrers. Und dann möchten wir auch gern wissen, was ein Tiguan ist – eine Mischung aus Tiger und Leguan? Das sind keine anheimelnden Tiere. Besser wäre "Cocker" – wie dieser handliche Hund, der so lebhaft wie fügsam ist.

Technische Daten
Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 103 kW (140 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h
CO₂-Emission: 199 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 30.550 Euro