Je schlechter die wirtschaftliche Lage in einem Bundesland ist, desto früher bekommen die Frauen Kinder. Zu dieser Erkenntnis gelangt das Bremer Institut für Arbeit und Jugend (BIAJ), das die Statistiken zum neuen Elterngeld ausgewertet hat.

»Weltweit betrachtet, ist bekannt, dass die Mütter in den ärmeren Ländern jünger sind«, sagt BIAJ-Chef Paul M. Schröder. »Aber dass das auch innerhalb von Deutschland gilt, hat mich verblüfft.«

Im wohlhabenden Baden-Württemberg waren nur 14,5 Prozent der Frauen, die 2007 Elterngeld beantragten, unter 25 Jahre alt, in Bayern waren es 15 Prozent. Im ärmeren Saarland hingegen entfielen knapp 21, in Bremen gar 23,3 Prozent auf diese Altersgruppe.

»Anscheinend sehen junge Frauen, die keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, in einem Kind eine sinnvolle Aufgabe, die ihnen Anerkennung verschafft«, sagt Schröder.

Auch die Höhe des ausgezahlten Elterngeldes, die sich nach dem vorherigen Verdienst richtet, legt derartige Interpretationen nahe. In Bayern erhielt gut ein Viertel der Mütter den Mindestbetrag von 300 Euro im Monat, in Bremen waren es hingegen 42,5 Prozent. Schon wer einen regulären Minijob hat, bekommt mehr.

»Offenbar hat in Bremen ein sehr hoher Anteil vor der Mutterschaft gar nichts verdient«, sagt Schröder. Bundesweit bekamen nur 1,8 Prozent der Mütter den Höchstsatz von 1.800 Euro, weil sie einen gut bezahlten Job haben. Bei den Vätern, die Elterngeld beantragten, war das anders: Ihr Elterngeld lag im Schnitt um 62 Prozent höher als das der Mütter.