Über 3000 Jahre schlummerte die Mumie unbehelligt im Tal der Könige. Dann ging es ihr an den Kragen. Bei der Bergung brach man ihr alle Knochen, später wurde sie mit Hammer und Meißel bearbeitet, entzweigesägt und zuletzt in einem Computertomografen seziert.

Seit dem Sensationsfund im Jahr 1922 faszinieren die Überreste des Knabenkönigs Tutanchamun und die insgesamt 5398 Objekte, die in den vier Totenkammern entdeckt wurden, die Welt. Vor allem weil es der einzige Grabschatz ist, der sich vollständig aus der Pharaonenzeit bewahrt hat.

Seit Jahren schon zieht eine Wanderausstellung mit einer kleinen Auswahl rund um den Globus und lockt – derzeit in London – ein Millionenpublikum an. Im Wiener Museum für Völkerkunde wurde nun eine parallele Schau eröffnet, in der für stolze 18 Euro Eintritt rund 70 Exponate aus dem Tut-Schatz, darunter ein Paar goldene Sandalen und eine Dienerfigur aus der Vorkammer zu bewundern sind.

Der gewaltige Reklameaufwand versucht darüber hinwegzutäuschen, dass weder in Wien noch in London oder nun auch in Hamburg eines der berühmten Stücke aus Kairo zu sehen ist, sondern sozusagen der Inhalt der hinteren Vitrinen. Die Veranstalter rechnen trotzdem mit einem Riesengeschäft. Aber die Konkurrenz schläft nicht. In Zürich wurde gleich das ganze Tut-Grab nachgebaut und goldblitzend ausstaffiert. Ach, die Maske, der Halsschmuck oder die Thronsessel dürfen Kairo nicht verlassen? Kein Problem. Man griff zu modernen Replikaten, für die der schöne Begriff »Originalnachbildung« gewählt wurde. Alles täuschend echt eben.

»Tutanchamun – sein Grab und die Schätze«, Hamburg, Mo-So, außer Do 10–18 Uhr/Do 10-20 Uhr; Tickets unter 01805 / 57 00 97 oder www.tut-ausstellung.com