Vor einigen Wochen stieß ich in der Zeitschrift Cicero auf eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes Emnid. Die Meinungsforscher haben versucht, die Psyche der deutschen Wähler wissenschaftlich auszuleuchten. Den deutschen Wählern wurden Begriffe vorgelegt, und sie wurden gefragt, ob diese Begriffe bei ihnen positive oder negative Emotionen auslösen.

Nunmehr darf als wissenschaftlich bewiesen gelten: Leute, die CDU oder CSU wählen, freuen sich überdurchschnittlich, wenn sie das Wort "Gott" hören. Dies hatte ich, ehrlich gesagt, erwartet. Bei den Wörtern "sexuell", "sinnlich", "verführen" und "Nacktheit" aber fühlt ein CDU-Wähler sich überraschenderweise unbehaglich, er räuspert sich oder verlässt den Raum. Die CDU ist die offizielle deutsche Antisexpartei!

Kein Wunder, dass sie bei jungen Menschen auf dem Höhepunkt ihrer Hormonproduktion traditionell schlechter abschneidet als bei älteren. Grüne Wähler dagegen hören das Wort "sparen" nicht gern, obwohl diese Partei doch immer wieder zum Energiesparen aufruft. Sie mögen aber "wild", "eigenwillig" und "Abenteuer". Reinhold Messner und Carla Bruni wären viel geeignetere Vorsitzende als Jürgen Trittin und Renate Künast.

Ich fand es auch überraschend, dass bei der FDP die Begriffe "Sanftheit", "Zärtlichkeit" und "Treue" negativ besetzt sind, während "Macht" und "beherrschen" hoch im Kurs stehen, das ist also die deutsche Sadomaso-Partei und nachweislich eine Partei, die eher von Männern als von Frauen gewählt wird. Das "F" steht wohl auch für "Fesseln". Eine Volkspartei wird das nie.

Die Linken aber haben exakt das gegenteilige Profil wie die CDU, "Gott" löst starkes Unwohlsein aus, "sexuell" und "Nacktheit" dagegen ein brummendes Wohlbehagen. Insgesamt gilt die Faustregel: Je linker in Deutschland eine Partei ist, desto positiver denken ihre Anhänger über den Fortpflanzungsapparat.

Das größte psychologische Rätsel aber ist für mich die SPD. Ein Wort, das bei keiner anderen Partei auch nur eine Rolle spielt, ist bei SPD-Wählern eines der am tiefsten Verhassten, es ist das Wort "Mond". Ich habe mich, jenseits aller Ironie (auch dieses Wort ist bei der SPD übrigens negativ besetzt) gefragt, was eigentlich das Unsozialdemokratische am Mond ist. Der Mond ist mir immer völlig unpolitisch und weltanschaulich neutral vorgekommen. Im Internet habe ich diese Frage zur Diskussion gestellt. Zahlreiche ZEIT- Leser haben geantwortet.