Starck: Wenn man das Glück hat, eine gute Idee zu haben, hat man die Pflicht, sie mit anderen zu teilen. So funktioniert Demokratie. Als ich angefangen habe, hat ein guter Stuhl etwa 1000 Dollar gekostet. Soll eine Familie, die sechs Stühle und einen Tisch braucht, 10.000 Dollar bezahlen, nur um zu Abend essen zu können? Das fand ich obszön. Vor vier Jahren entwarf ich einen Stuhl, der weniger als zehn Dollar kostete. Wenn man drei Nullen vom Preis wegnimmt, verändert man das gesamte Konzept des Produkts.

ZEITmagazin: Warum haben Sie dann neulich für einen russischen Millionär eine Motorjacht kreiert?

Starck: Ebendas gehört zu meinem Robin-Hood-Konzept. Ich benutze ein solches Projekt wie ein Labor. Ich kann neue Technologien ausprobieren und sie für den Massenmarkt nutzbar machen. Für die Jacht habe ich einen Rumpf entwickelt, der bei 20 Knoten keine Bugwellen macht. Das Konzept nutze ich für ein Solarboot: vielleicht der Prototyp für ein Wassertaxi in Venedig.

ZEITmagazin: Aber wollen Sie nicht aufhören zu designen?

Starck: Auf jeden Fall. In zwei Jahren werde ich definitiv aufhören. Ich werde irgendetwas anderes machen. Ich weiß es noch nicht. Es wird eine neue Art des Ausdrucks sein. Eine neue Waffe, die schneller und gewaltiger und leichter sein wird als Design. Design ist eine schreckliche Art, sich selbst auszudrücken.

ZEITmagazin: Also werden Sie nur den Job wechseln.

Starck: Genau. Ich war ein Produzent von Materialität. Ich schäme mich dafür. Ich will künftig ein Produzent von Konzepten sein. Das wird nützlicher sein.