Von Reisbach in Niederbayern bis nach München sind es mit dem Auto knapp 120 Kilometer. In Reisbach lebt der gelernte Steuerinspektor Erwin Huber. In München arbeitet er, seit Oktober 2007, als Staatsminister der Finanzen. Wäre Erwin Huber ein normaler Angestellter und würde er täglich zur Arbeit pendeln, könnte er jede Fahrt steuerlich absetzen: 30 Euro am Tag, 150 Euro in der Woche, 600 Euro im Monat und – je nach der Zahl seiner Urlaubstage – deutlich mehr als 5000 Euro im Jahr. Es wäre viel Staatsgeld dafür, dass der Angestellte Herr Huber weiter im günstigen Reisbach wohnt und nicht im teuren München.

Politiker bekommen keine Pendlerpauschale. Nun will der Politiker Huber, dass wenigstens alle Arbeitnehmer 30 Cent je Kilometer abrechnen dürfen – und nicht nur jene Pendler, die mehr als 20 Kilometer zur Arbeit fahren. Natürlich ist die von der Bundesregierung gezogene Kilometergrenze willkürlich. Aber sinnvoller, als um Kilometer zu feilschen, wäre es, die Pauschale ganz zu streichen. Das würde nicht bloß der Umwelt helfen, sondern auch das Steuersystem vereinfachen. Der Steuerexperte Huber würde das verstehen. Dem Politiker Huber kommt es nicht den Sinn.

Erwin Huber ist auch Vorsitzender der bayerischen Volkspartei CSU – und damit qua Amt verpflichtet, dem Volk aufs Maul zu schauen. Das bayerische Volk will rauchen. Es fährt gerne Auto. Und in Bayern wird so viel vererbt wie in keinem anderen Bundesland. Also opponiert der CSU-Chef mal gegen das Rauchverbot, mal gegen die Pendlerpauschale und mal gegen die Reform der Erbschaftsteuer.

Bei der CSU war die Grenze zwischen Programm und Populismus immer fließend. Seit Hubers Amtsantritt gibt es keine Grenze mehr. Alles fließt. So wird das noch eine Weile sein, mindestens bis zur Landtagswahl im Herbst. Dann wird Erwin Huber merken, dass Populismus allein keine Stimmen bringt. Sondern Zustimmung kostet.