Am Abend servieren uns zwei Schwestern gebratenen Fisch, Erbsen und Kartoffeln, zum Nachtisch Obst. Obst und Gemüse holen die Nonnen freitags auf dem Markt – sie füllen einen Lieferwagen mit Resten, die ansonsten weggeschmissen würden. Manchmal bringen Leute aus dem Dorf Olivenöl, Brot oder Fleisch. Geld ist knapp und muss selbst erwirtschaftet werden, es gibt keine Kirchensteuer in Griechenland.

Wir trinken Wasser und süßen Wein, den eine der Schwestern selbst gekeltert hat. Die Standuhr tickt. Diodora und ich spulen im Schnelldurchlauf durch die vergangenen zwanzig Jahre – wer macht was, wie ist es wem ergangen? Als ich von einem tragischen Unfall in einer Familie, die wir beide kennen, erzähle, bekreuzigt sie sich. Ich spüre ihre große Herzlichkeit und Wärme, aber mein Misstrauen bleibt. Das habe ich aus Berlin mitgebracht, wo ich mich zur Vorbereitung mit Argumenten gegen das Klosterleben munitioniert hatte. Frauen mit feministischen Ansprüchen – wie Charlotte noch eine war, als sie sich während ihrer Zeit an der Kunstakademie für Frauenrechte engagierte – sind in der orthodoxen Kirche wie in der katholischen fehl am Platz: Nur Männer bekommen die Priesterweihe und dürfen die Beichte abnehmen, nur Männer können zu Kirchenoberhäuptern gewählt werden.

Diodora lacht verächtlich, als ich sie damit konfrontiere. "Klar, wir Nonnen können nicht das machen, was der Bischof macht. Aber interessiert uns das? Mich interessiert das, was Bischöfe nicht können in ihrer sehr weltlichen Position: mit Menschen zu arbeiten. Hätte ich eine Verwaltungskarriere machen wollen, wäre ich Ministerin in der Regierung geworden. Ich habe aber bewusst das geistliche Leben gewählt. Und Klöster sind die intensivste und kompromissloseste Form geistlichen Lebens." Das vermeintlich Unterwürfige, versinnbildlicht im Handkuss, erklärt sie so: "Gehorsam hat draußen, in der westlichen Welt, einen sehr negativen Beigeschmack bekommen. Man hat Schwierigkeiten, jemand anderem seine Ehre zu erweisen. Der Handkuss ist eine Form, respektvoll miteinander umzugehen. Ich genieße das sehr, durch bestimmte Rituale Respekt zeigen zu können."

Ich fühle mich hilflos, weil mir diese Rituale nicht vertraut sind, und als wir uns für die Nacht verabschieden, frage ich: "Kann ich was falsch machen? Ich will niemanden verletzen." Diodora stutzt, dann lacht sie und sagt: "Keine Sorge, das würde ich dir sagen." Wenig später liege ich, begraben unter drei Decken, in meinem schmalen Bett und kann nicht schlafen – obwohl ich die Ruhe und Isolation des Klosters als Gegenpol zu meinem überreizten Großstadtleben sehnsüchtig erwartet hatte, fühle ich mich plötzlich abgeschiedener, als mir lieb ist. Ich ahne, wie einsam man hier sein kann. Und dass es lange dauert, bis man tatsächlich angekommen ist.

Am nächsten Morgen wird – mit Rücksicht auf den Gast aus Deutschland eine halbe Stunde später als gewöhnlich – um halb sieben im Klosterhof der Gong geschlagen. Es ist noch dunkel, als sich die Schwestern in der Kirche versammeln. Diodora erkenne ich an ihren langen Schritten und am Schwung, mit dem der Stoff der Tracht gegen ihre Beine schlägt. "You sleep well?", flüstert freundlich eine griechische Schwester, als ich mir verschlafen im Kerzenlicht einen Platz suche. Während eineinhalb Stunden lang gemeinsam Gebete gesprochen und gesungen werden, zieht langsam Tageslicht ein.

Ich erinnere mich an meinen letzten Besuch bei Charlotte in Berlin. Es muss im November 1987 gewesen sein, sie wirkte ernst und verschlossen. Sie war gerade aus Naxos zurückgekommen, das war kein Thema zwischen uns, aber es arbeitete offenkundig in ihr. Sie schlug vor, in eine orthodoxe Kirche am Hohenzollerndamm zu gehen. Zwei Stunden dauerte die Liturgie, ich fand keinen Zugang und ging schon nach kurzer Zeit gelangweilt wieder raus, doch Charlotte folgte dem Gottesdienst von Anfang bis Ende stehend, sie wirkte wie in Trance. Später fuhr sie mit mir nach München, um ihre Schwester zu besuchen, die dort wohnt. Der Kofferraum meines Autos war voller Kisten und Taschen, alles Sachen, die Charlotte aussortiert hatte und verschenkte. Es war der Anfang ihres asketischen Lebens, aber niemand verstand die Gründe. Ihre Schwester fragte damals erstaunt: "Warum denn der schöne Pullover? Den hat Mutter dir doch erst vor Kurzem geschenkt."

Obwohl sich Gerondissa Diodora und ihre Schwestern während des langen Gottesdienstes physisch verausgaben, wirken sie am Ende gestärkt. Vier bis fünf Stunden lang, verteilt auf drei feste Termine am Tag, beten die Nonnen gemeinsam, und es scheint, als sammelten sie in diesen Stunden konzentrierter Meditation Kraft für den harten Alltag. Tagsüber sind die Frauen kaum zu sehen, es gibt viel zu tun in diesem großen Haushalt. Einige arbeiten in der Nähwerkstatt an kirchlichen Gewändern, deren Verkauf eine wichtige Einnahmequelle für das Kloster ist. Andere betreuen Kranke in den Städten. Viele der jüngeren Schwestern studieren. Fernsehen, Kino oder andere Formen der Zerstreuung gibt es nicht. Die Nonnen blenden alles aus, was sie von der Hingabe für andere Menschen und damit indirekt von der Vereinigung mit Gott ablenken könnte.