Marilyn Monroe, im Februar 1962, ein halbes Jahr vor ihrem furchtbaren Tod, bedankt sich bei einem deutschen Diplomaten für die Lieferung eines Champagners. Sie schreibt passenderweise auf champagnerfarbenem Papier, am Kopf ist ihr blindgeprägter Name ertastbar: »Dear Mr. von Fuehlsdorff, Thank you for your champagne. It arrived, I drank it, and I was gayer« gayer, das heißt so viel wie verrückter, lustiger, auch: liederlicher.

Mr. von Fuehlsdorff hieß eigentlich Volkmar von Zühlsdorff, da hat sich Marilyn Monroe vermutlich vertippt. Ein zu Unrecht Vergessener, dieser nationalkonservative Emigrant, der Nazideutschland verließ und die Deutsche Akademie im Exil gründete (und dabei Thomas Mann und Sigmund Freud als Präsidenten gewann). Nach dem Krieg kehrte der kleine, zierliche Jurist zurück nach Deutschland, kämpfte für die Rückgewinnung Helgolands und sollte Amerika aus freudigerem Anlass später einmal wiedersehen: als Generalkonsul in Los Angeles.

Ach, man weiß so wenig über die Begegnung der beiden Protagonisten, Biografien Monroes kennen Zühlsdorff nicht, das Auktionshaus Bassenge in Berlin, das den Brief am 11. April versteigern wird, sagt, Zühlsdorff habe Monroe einmal zum Abendessen eingeladen und ihr danach den Champagner geschickt, mehr, leider, wisse man nicht.

Kann man sich lässiger bedanken als sie? Nein. Caesars Diktum »Ich kam, ich sah, ich siegte« klingt im »It arrived, I drank it, and I was gayer« mit. » I drank it« Monroe hat diesen Umstand eigens betont: Nein, Herr Fuehlsdorff, Ihr Geschenk landete nicht in irgendeinem Schrank, es wurde genossen! Und es hatte seine Wirkung: »I was gayer« ein Triumph der Sucht, der verzweifelten Lebenslust. Marilyn Monroe hatte damals keine gute Zeit: Die Scheidung von Arthur Miller lag hinter ihr, zwei ziemlich erfolglose Filme auch, von zwielichtigen Psychiatern wurde sie mit ungeheuren Mengen Tabletten versorgt und dann noch der verdammte Alkohol.

Marilyn Monroe sagte einmal, sie versuche verzweifelt, »von Marilyn Monroe wegzukommen«, dieser Kunstfigur, unter der sie litt. Sie hieß ja eigentlich auch ganz anders. So wie Fuehlsdorff nicht Fuehlsdorff hieß.