Das große Vorbild – Matthias Kleiner bekennt es ganz offen – heißt YouTube. Am Dienstag stellte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Berlin ein neues Projekt vor, mit dem die Forscher für ihre Arbeit und um engagierten Nachwuchs werben wollen: DFG Science TV (altdeutsch: Wissenschaftsfernsehen).

Die Idee: Zehn Forscherteams führen ein Tagebuch mit der Kamera. Drei Monate lang berichten sie Woche für Woche vom Fortgang ihrer Arbeit. Sie skizzieren Thesen, diskutieren ihre Vorgehensweise, geben Einblick in ihren wissenschaftlichen Alltag, dokumentieren Erfolge (und vielleicht auch Misserfolge).

Das Spektrum der Themen ist groß. Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) taucht in der Ostsee nach alten Siedlungen. Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn fragt, warum die Saurier so riesig wurden. Die Technische Universität Dresden verstärkt Beton mit Glasfasern. Die Universitäten Köln und Karlsruhe bauen Roboter. Am Bodensee gehen Konstanzer Wissenschaftler auf Muschelsuche.

Auf der Liste der Darsteller stehen Nachwuchswissenschaftler ebenso wie etablierte Forscher, große Teams und Einzelkämpfer. Sie stehen aber nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. "Ganz nah, ohne Filter", das sei das Konzept, sagt der Filmproduzent Peter Prestel, der die DFG gemeinsam mit der Autorin und Fernsehproduzentin Gisela Graichen berät und unterstützt, das sei "Inside Science".

Schon die frühere Forschungsministerin Edelgard Bulmahn hatte beklagt, Forscher seien leider nicht so prominent wie Fußballer, und ihre Arbeit komme zu selten ins Fernsehen. Nun hilft sich die Wissenschaft selbst, das Internet macht es möglich. "Die Idee ist so faszinierend wie gefährlich", bekennt Prestel. "Die Gefahr: Die Wissenschaftler sind gute Forscher, aber unbegabte Filmemacher. Die Bilder sind verwackelt, unscharf, gar nicht nah dran."

Dieser Gefahr sind die Organisatoren begegnet. Sie haben Professoren und Doktoren für eine Woche die Schulbank drücken lassen, ihnen den Umgang mit der Kamera und die Tricks des Drehbuchschreibens gezeigt. Nun liefern die Wissenschaftskameramannschauspielerregisseure jede Woche 30 Minuten Material, das Profis am Schneidetisch auf 3 Minuten komprimieren, mit Musik unterlegen und texten.

Eine andere Gefahr ist jedoch nicht auf der Film(hoch)schule zu bekämpfen. Die Bilder sind nicht verwackelt, sie sind auch scharf – aber sie sind zu nah dran: In der Selbstdarstellung sind die Forscher versucht, Misserfolge aus dem Drehbuch zu streichen, Pannen herauszuschneiden, Denkfehler zu verstecken.