Sie redet so schnell und so viel, als sei sie auf dem Sprung, als wolle sie alles sagen, bevor sie weiterreist, nach Tokyo oder nach São Paulo oder nach Reykjavík. Fünf Jahre lebt Candice Breitz nun schon in Berlin, die zehn Jahre davor war sie in New York. "Berlin ist im Moment die Kunsthauptstadt der Welt", sagt sie, "New York dagegen hat sich so verändert. Ich habe mich entliebt nach dem 11. September. Auf einmal war Amerika ein sehr, sehr rechtes Land." Und: "Berlin ist eine großartige Stadt für Künstler. Aber ich werde es auch nicht vermissen, wenn ich einmal weg bin. Ich vermisse Menschen, nicht Städte."

Die selbst gewählte Fremdheit ist ein wesentliches Element im Leben wie in der Kunst von Candice Breitz, die 1972 in Südafrika geboren wurde. "Es ist egal, woher man stammt", sagt sie. "Nur eines ist wichtig: Mach, dass du wegkommst, wenigstens eine Zeit lang. Wenn man Künstler werden will, dann ist einer der wichtigsten Schritte, dass man weggeht."

Breitz sitzt auf dem Sofa im hinteren Teil ihrer Wohnung, die auch ihr Atelier ist. Aus dem vorderen Zimmer hat man einen Blick über den Weinbergspark vor ihrer Tür und den Rest von Berlin-Mitte mit den Türmen und Kirchen und dem Himmel, der so müde über all dem hängt, als sei er gestern zu spät ins Bett gekommen.

Ihre Locken hat sich Candice Breitz eng um den Kopf gewickelt, sie trägt eine Jeans und eine khakifarbene Stoffjacke. Es ist kurz nach elf am Vormittag. Sie ist gerade aufgestanden. Dabei mag sie das Klischee des lange schlafenden Künstlers überhaupt nicht. "Dieses Klischee ist gestorben", sagt sie. "Es geht heute einfach nicht mehr, sich als Künstler zu stilisieren, der außerhalb der Gesellschaft lebt." Vor dem Sofa stehen ein großer Fernseher, daneben die DVDs, die Candice Breitz gerade schaut. Alle Folgen der amerikanischen Serie Curb Your Enthusiasm zum Beispiel, mit dem Komiker Larry David.

Candice Breitz ist Foto- und Videokünstlerin. International bekannt wurde sie 2005 mit ihrer Videoinstallation bei der Kunst-Biennale in Venedig, die sie Mother + Father nannte. Sechs Monate lang bearbeitete sie zusammen mit ihren Assistenten Filmszenen mit Julia Roberts oder Susan Sarandon. Die Figuren wurden aus dem Kontext herausgelöst und vor einem schwarzen Hintergrund platziert, so lange, bis die Kreditkarten von Breitz bis zum Anschlag überzogen waren – dann fand sie zum Glück einen, der finanzierte den Rest der Arbeit.

Auf zwölf Bildschirmen sind sechs männliche und weibliche Hollywoodschauspieler zu sehen, die darüber reden, wie es ist, Vater zu sein beziehungsweise Mutter. Der Effekt ist, dass man sich fragt, was einen mehr irritiert: wie fern einem diese Figuren außerhalb ihrer Filme auf einmal sind. Oder wie nah.

"Mir geht es in meiner Kunst darum, zu beschreiben, wie wir wurden, wer wir sind", sagt Breitz. "Und welche Rolle die Medien bei alldem spielen." Sie ist aufgewachsen mit einem Übermaß an Hollywood und Popkultur und sucht zwischen den Bildern nach Raum für eigene Emotionen. So kann das wohl nur jemand aus ihrer Generation, die auch noch die Zeit vor dem totalen Rauschen der Bilder kennengelernt hat. Sie nimmt die Popkultur als das, was sie ist, ein Speicher unserer gemeinsamen Gefühle, ein Reservoir für kollektive Erinnerung, auch ein Gefäß für ungelebtes Leben, für Sehnsucht.