Am 29. Mai 1948, zwei Wochen nach der Gründung des jüdischen Staates, hatte die israelische Luftwaffe nur vier schlagkräftige Kampfflugzeuge. Eine Maschine steuerte der 24-jährige Ezer Weizman, der spätere Präsident Israels. Um 19.45 Uhr hob er zusammen mit den anderen drei Piloten Lou Lenart, Modi Alon und Eddie Cohen vom Flugfeld in Ekron ab. Das Ziel der vier Avia-Maschinen war eine lange ägyptische Armeekolonne in der Nähe von Ashdod, nur zwanzig Kilometer von der israelischen Luftwaffenbasis entfernt.

Die Ägypter waren aufgehalten worden von einer zerstörten Brücke, 32 Kilometer südlich von Tel Aviv, und von den leicht bewaffneten Überresten der israelischen Givati-Brigade. Die Stärke der Kolonne wurde von den Israelis auf 500 Fahrzeuge geschätzt, darunter zehn Panzer.

Weizmans Angriff auf die überraschten und unvorbereiteten Ägypter hatte Erfolg. In mehreren Anflügen warf er seine Bomben. Die Bordkanonen bekamen zwar eine Ladehemmung, aber seine Maschinengewehre ließen ihn nicht im Stich. Unversehrt landete er um 20.15 Uhr wieder in Ekron. Auch Lenart und Alon kehrten zurück. Cohen indes traf es hart. Seine Avia wurde vom Abwehrfeuer in Brand geschossen. Er starb beim Versuch einer Notlandung.

Nach dem offiziellen Operationsbericht war alles überaus erfolgreich verlaufen. Zwar wurde auch Alons Maschine irreparabel beschädigt. Aber die junge israelische Luftwaffe hatte nicht nur den Vormarsch der Ägypter gestoppt, sondern auch Israels Bodentruppen ermöglicht, sich neu zu formieren und in die Offensive zu gehen. Die Brücke, an der dies geschehen war, erhielt daher später den Namen »Ad-Halom« (»Bis hierher«). Denn bis zum Ende des israelischen Unabhängigkeitskrieges sollten die ägyptischen Streitkräfte nicht weiter vorstoßen, als es ihnen bis zu diesem 29. Mai gelungen war.

Vierzehn Tage zuvor, noch in der Nacht der Staatsgründung, hatten die Armeen Transjordaniens, Ägyptens, Syriens, des Libanons und des Iraks angegriffen. Die arabischen Staaten wollten den von David Ben Gurion am 14. Mai proklamierten Staat vernichten. Bereits ein halbes Jahr zuvor hatten sie den Plan der Vereinten Nationen für eine Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat abgelehnt. Kämpfe zwischen den paramilitärischen Einheiten beider Seiten waren die Folge. Darunter hatten nicht zuletzt viele Palästinenser zu leiden, die vor den Gefechten flohen oder von Israelis vertrieben wurden.

Zu Beginn des Krieges sah sich der jüdische Staat ohne Chance gegen die arabischen Streitkräfte. Die Royal Egyptian Air Force – Ägypten war damals noch ein Königreich – dominierte ihren Luftraum vollkommen. Tel Aviv und andere Städte wurden ununterbrochen bombardiert, ohne dass die Israelis hätten entsprechend antworten können.

Mühsam hatte die schlecht ausgerüstete Israeli Air Force (IAF) begonnen, sich zur Wehr zu setzen. Der Streich vom 29. Mai war der erste große Erfolg, und im Laufe des Sommers gelang es zunehmend, die Bodentruppen zu unterstützen.