DIE ZEIT: Sie haben - im Hinblick auf die Kommunalwahlen in Brandenburg im Herbst - davor gewarnt, dass die NPD ihre Strategie geändert habe. Was befürchten Sie?

Erardo Rautenberg: Die NPD will ihr Image als Bürgerschreck loswerden.

Gerade im ländlichen Bereich versucht sie, sich bürgernah zu geben und jeden Eindruck von Gewalttätigkeit zu vermeiden. Die NPD spiegelt den Menschen vor, sie kümmere sich um deren Belange.

ZEIT: Bei den Landtagswahlen in Hessen ist die NPD mit dieser Strategie gescheitert. Warum sollte sie damit in Brandenburg Erfolg haben?

Rautenberg: In den neuen Bundesländern lag die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen zuletzt teilweise deutlich unter 50 Prozent. Von einer so niedrigen Wahlbeteiligung profitieren vor allem die rechtsextremen Parteien, wenn es ihnen gelingt, ihre Sympathisanten zu mobilisieren.

In Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen hat die NPD bekanntermaßen schon Erfolge erzielt. Und wir beobachten derzeit, dass sie sowohl von Sachsen aus als auch von Mecklenburg-Vorpommern aus auf Brandenburg Zugriff nimmt. Daher ist die Gefahr durchaus begründet, dass sie bei den Kommunalwahlen in Brandenburg erfolgreich sein könnte.

ZEIT: Die Beteiligung an Kommunalwahlen gilt auch als Gradmesser dafür, welchen Stellenwert Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe bei den Bürgern haben. Gemessen daran, scheint Demokratie in den neuen Bundesländern nicht besonders gut anzukommen.