Yoga zählt bestimmt zu den besseren Dingen, die man mit seinem Körper anstellen kann. Wer Yoga macht, der hat ein Thema, über das er mit Madonna und Sharon Stone reden kann, falls er sie mal trifft. Außerdem lernt man die Tierwelt sehr gut kennen, etwa wenn man sich in Figuren biegen muss wie den »herabschauenden Hund«. Yoga schadet also keinesfalls es kann allerdings auch nicht sooo viel Gutes bewirken, wie dieser Bewegungskunst an- gedichtet wird. Das lässt sich schon daran sehen, dass die Welt kein besserer Ort geworden ist, obgleich nun inzwischen wirklich jeder Erdenbewohner Yoga macht allerdings bis heute ohne akzeptable Kleidung. Weil Yoga leicht und entspannt sein soll, waren Yogamodemacher bemüht, ebenso leichte und entspannte Kleidung zu entwerfen. Deswegen sehen Yogis aus, als würden sie Pyjamas tragen. Michael Michalsky hat für Tchibo Yogamode ent- worfen, und es hat nicht geholfen. Zuletzt hat Ursula Karven eine Yoga-Kollektion für Karstadt vorgestellt, das wiederum sollte man als Zeichen verstehen. Wenn Ursula Karven mit etwas anfängt, sollten alle anderen damit aufhören.

Nur, was könnte die Alternative sein? Celine-Chef- designerin Ivana Omazic hat eine Antwort gesucht und eine Kollektion für Tai-Chi, das chinesische Schattenboxen, entworfen.

Tai-Chi soll vor mehr als tausend Jahren entstanden sein, als ein Mönch den Kampf eines Vogels gegen eine Schlange beobachtet hatte. Der Vogel hackte wild herum. Während die Schlange nur ihr Gewicht verlagerte und dem Vogel so lange auswich, bis sie zubeißen konnte.

Also geht es bei Tai-Chi vor allem darum, das äußere wie innere Gleichgewicht zu finden, in unendlich langsamen Bewegungen. Tai-Chi entstammt einer Kampfkunst, was bedeutet, dass man in Tai-Chi-Kluft nicht aus- sieht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein Krieger für eine langsame Sache. Und wer in den weiß- goldenen Celine-Sneakers Tai-Chi macht, darf sich wie ein Krieger für eine langsame, edle Sache fühlen. Mit diesem Dress kann man auch die Öffentlichkeit suchen. In China wird diese Kunst gemeinsam zu Hunderten praktiziert. In Deutschland bieten sich dafür öffentliche Parks an. Man sollte nur darauf achten, dass man nicht bei den langsamen Ausfallschritten in etwas Weiches tritt. Denn auch beim Tai-Chi kann man Hunde intensiv kennenlernen.