Im Biologieunterricht einer engagierten Lehrerin ist Ausschneiden, Kleben, Basteln und Spielen nichts Ungewöhnliches. Wir Schüler der elften Klasse schneiden Abbildungen der DNA aus, die wir später korrekt aufkleben müssen. In einer anderen Stunde malen wir Zeichnungen vom Zellkern aus und basteln Mitochondrien aus Teebeuteln. Guter Unterricht ist kreativer Unterricht, so haben es vor allem unsere jungen Lehrer auf Fortbildungen gelernt. Nur scheint ihnen keiner gesagt zu haben, welche Klassenstufe welches Bastelausmaß am besten verkraftet. Was in der Grundschule für Begeisterung sorgt, schafft in der Oberstufe Unmut. "Man behält den Stoff besser, wenn man aktiv mit ihm konfrontiert wird", argumentieren die Lehrer auf genervtes Nachfragen. Deshalb erläutern sie uns mit leuchtenden Augen das "Ballonspiel", in dem wir entscheiden sollen, welche politischen Sparten wir als Erstes aus einem sinkenden Heißluftballon werfen würden, weil sie am unwichtigsten sind. Später wird gepuzzelt, selbstverständlich in Gruppenarbeit, der effektivsten Arbeitsform schlechthin. Die Schüler freut es: Wer arbeiten möchte, kann arbeiten, wer nicht, lässt die anderen ran. Nur: Auf Dauer werden die Kindergartenmethoden zum echten Ärgernis, vor allem wenn sämtliche Gedanken ums Abi kreisen, um Studium und Beruf. Wenn Lehrer aber aus Seminaren für vermeintlich besseren Unterricht Arbeitsblätter in die Klassen tragen, auf denen Anweisungen stehen wie: "Stellt eure Stühle leise zusammen. Denkt daran, sie hochzuheben", dann wird es den Schülern irgendwann lieber sein, dass sie einfach bleiben, was sie mal waren: gute Lehrer, die etwas von ihrem Handwerk verstehen und erprobte Methoden einsetzen, die echtes Interesse wecken. Sobald aber Schule nur noch lächerlich erscheint, ist schlechte Laune programmiert. Und am besten lernt man doch bei guter Laune, oder was genau sagen die Fortbilder dazu?

Der Autor ist Schüler einer elften Klasse in Hamburg