Hier sehen wir den großen Traxler, den Malerfürsten, in seinem Frankfurter Atelier einen kleinen Kunstbittsteller empfangen. Welch Ehrfurcht gebietender Anblick! Der große Traxler.

Ach nein, liebe Kinder, ich muss mir die Brille nicht geputzt haben, das ist gar nicht Traxler, das ist der mächtige Zar von Russland in seinem Kreml! Und vor ihm verneigt sich ein armes Bäuerlein. Aber was für ein Bäuerlein: Als Zauberer gibt der Kerl sich aus, doch tatsächlich ist er ein gewiefter Trickbetrüger. Indes, mit all seinem Schwindel gerät der Schlawiner immer tiefer in den Schlamassel, und am Ende kann er froh sein, dass der Zauber des Zufalls ihm gerade noch das Leben rettet.

20 Zaubermärchen hat Hans-Joachim Simm in diesem Buch gesammelt. "Zaubermärchen" ist eigentlich eine Tautologie, denn welches Märchen kommt ganz ohne Zauber aus? Hier werden sie alle durchgespielt, die Metamorphosen des Wunderbaren. In diesen Geschichten, zusammengetragen aus vielen Teilen der Welt, sehen wir, wie Wünsche zu Flüchen werden, wie Zauber fesselt und Zauberworte befreien. Wie sie Gold herbeischaffen, Glück und Unglück. Und wie es uns gelingt, das Lied zu wecken, das in allen Dingen schläft.

Dazu schauen wir uns dann die wunderbaren Bilder an, die der Traxler gezeichnet hat. Stimmt also doch! Hier sehen wir Hans Traxler, den großen Zauberer: eines seiner Zauberblätter, gemalt mit seinem Zauberstifte (man beachte die Maus! Mäusemut vor Zarenthronen) – zauberhaft!
Benedikt Erenz