Es mutet an wie ein Trostpflaster, ein ziemlich teures allerdings: 45 Millionen Euro will Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) in sechs Forschungsprojekte in Ostdeutschland stecken, eines für jedes Bundesland inklusive Berlin. Das neue "Programm zu Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern" setzt an, wo die Forschung in den neuen Bundesländern bei der Exzellenzinitiative leer ausgegangen ist, frei nach der Devise: Die Ärmsten müssen doch auch etwas bekommen.

Schon in ein paar Monaten soll eine zweite Ausschreibungsrunde starten, dann werden noch einmal 200 Millionen Euro für die Ostforschung vergeben – zur Steigerung der Innovationsfähigkeit und der Wirtschaftskraft in den neuen Ländern, wie die Ministerin betont.

Nichts gegen die prämierten Forschungsprojekte von Greifswald bis Dresden, die teilweise herausragende Wissenschaftler beschäftigen. Außer Zweifel stehen zudem Sinnhaftigkeit und ehrenwerter Ansatz eines solchen Förderprogramms, zumal sich Ostdeutschland beim Elitewettbewerb aus vielerlei Gründen unter Wert verkauft hat.

Doch während Schavan und ihre Länderkollegen bei der Exzellenzinitiative allen politischen Versuchungen fast bis zum Ende widerstanden und das Prinzip von Bestenförderung, Transparenz und Leistungsorientierung im Großen und Ganzen durchgehalten haben, holen sie nach dem Ostschock plötzlich wieder die Gießkanne heraus.

Speziell die neuen Bundesländer zu fördern ist das eine. Dann das Geld aber wiederum gleichmäßig zu verteilen, anstatt tatsächlich nur die Besten zu fördern und so wirkliche Leistungsanreize zu setzen, das erinnert an die verfehlte und endlich überwunden geglaubte Forschungspolitik vergangener Jahrzehnte: Proporz statt echten Leuchtturmbaus. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Ausschreibungsrunde besser durchdacht sein wird.

Noch, so sieht es aus, hat der Denkprozess von Bund und Ländern hier zu keinem Ergebnis geführt, zumindest kann das Bundesforschungsministerium bis jetzt noch nicht sagen, ob das Prinzip "Ein Projekt pro Bundesland" auch für die zweite Auflage gelten wird.

Fest steht dafür: Der Großteil des Geldes ist noch nicht verpulvert. Die verbliebenen 200 Millionen Euro bieten die Chance, aus dem Programm doch noch einen Erfolg werden zu lassen, eine Art "Exzellenzinitiative Ost".