Dem Wunsch seines rechtschaffenen Vaters wollte er nicht folgen. So verließ der angehende Prediger mit 19 Jahren die Akademie einer diskriminierten Glaubensgemeinschaft, frequentierte Wirtshäuser und Theater, fand allerdings eher Geschmack am Alkohol als an den frivolen Komödien à la mode. Dann stieg der kaufmännische Dilettant groß ins Geschäft ein: Er kaufte ein Schiff, das jedoch unter dubiosen Umständen mit Mann, Maus und Ladung verschwand. Überdies leistete er sich eine kostspielige Fehlspekulation mit Bauland. Trotz fantasievoller Rettungsversuche war er mit 32 Jahren bankrott. Aber er gab nicht auf, kam aus der Schuldhaft frei, versteckte sich vor seinen Gläubigern und schaffte es erstaunlich schnell, aus eigener Kraft die erste seiner Lebenskrisen zu überwinden. Als Zeichen seines Anspruchs auf gesellschaftliche Geltung änderte er seinen verfänglichen Namen.

Schon lange hatte er mit einer publizistischen Karriere geliebäugelt und sich mit kleinen Schriften bekannt gemacht. Er sah seine Chance, indem er sich auf die Seite eines neuen und wenig beliebten Herrschers schlug, wurde sogar dessen politischer Berater und verteidigte ihn mit Verve – auch gegen seine eigene Überzeugung. Als sein Gönner vom Pferd fiel und wenige Tage später starb, schrieb er sich mit einer missglückten Satire auf seine Glaubensbrüder in die zweite und schwerste Krise seines Lebens. Er musste untertauchen. Als er heimlich Frau und Kinder besuchen wollte, wurde er verraten und ins Gefängnis gesteckt, gegen eine hohe Kaution freigelassen, doch zu einer harten Geld- und Haftstrafe verurteilt. Für ihn noch schlimmer: An drei Tagen wurde er jeweils für eine Stunde an den Pranger gestellt. Vor dem Absturz in gesellschaftliche Ächtung retteten ihn eine fast übermenschliche Energie und ein neuer einflussreicher Gönner, der seine journalistischen Fähigkeiten schätzte. Er ließ den geistreichen Mann über Gott und die Welt schreiben: über eine neuartige Sozialversicherung und religiöse Fragen, über die Familie, die bürgerlichen Sitten, den gepflegten Sprachstil und die Notwendigkeit einer Frauenakademie. Den Abschied seines Gönners von der Macht überstand er mit einer Portion Opportunismus: Er diente sich erfolgreich der neuen Regierung an und schrieb rastlos weiter, jetzt über Handel und Wirtschaft, über Familienprobleme und eine Reise zum Mond.

Endlich brachten seine Publikationen gutes Geld ein, und er bezog mit seiner Familie ein bequemes Haus. Ein internationaler Bestseller verhalf ihm zu Ruhm. Nun hätte er ein behagliches, schuldenfreies Leben führen können. Aber der Handel, "die Hure, in die ich wirklich vernarrt war", lockte ihn noch immer. So steuerte er in die dritte Katastrophe seines Lebens. Er nahm Kredite auf, um sie in eine Ziegelei zu investieren. Von einem Geschäftspartner geprellt, zahlungsunfähig und von einer Gläubigerin hart bedrängt, tauchte er schwer krank noch einmal unter. Ein Schlaganfall traf ihn in seinem Versteck, einsam starb er dort. Wer wars?

Wolfgang Müller

Lösung aus Nr. 20:
Elvis Aaron Presley (1935–1977) stammte aus Tupelo, Mississippi, seine Eltern waren mittellose Arbeiter. Sein Zwillingsbruder starb bei der Geburt, seine Mutter 1958. 1967 heiratete er seine Jugendliebe Priscilla, fünf Jahre darauf trennte sich das Paar. Elvis lebte auf seinem Anwesen Graceland, wo man ihn am 16. August 1977 tot auffand. Das Zitat stammt von James Brown