Können wir Dinge eigentlich ehren und lieben?

Als Herr Pinoncelli in das Kunstwerk La Fontaine von Marcel Duchamp pinkelte und es mit einem Hammer traktierte, da behauptete er, das Kunstwerk dadurch ehren zu wollen, dass er es auf den Kern seiner Bedeutung zurückführe. Und als eine Kambodschanerin das Gemälde eines amerikanischen Expressionisten mit geschminkten Lippen küsste und es so zerstörte, führte sie vor Gericht an, es sei "ein Liebesakt" gewesen.

Die Anwältin des Malers hob damals hervor, zur Liebe gehörten immer zwei, in diesem Fall sei ein Partner aber nur "dinglich" vorhanden gewesen.

Allerdings war laut Süddeutscher Zeitung auch der schwarze Schwan Petra in Münster lange Zeit in ein weißes schwanenförmiges Tretboot verliebt, und niemand zweifelte die Innigkeit der Beziehung an, obwohl auch besagtes Tretboot eindeutig dinglich daherkam. Sind Mensch und Tier etwa alle den gleichen primitiven Prägungen unterworfen?

Kommen wir zu den Schachspielern. Sollen auch diese ein gefühlhaftes, vielleicht gar erotisches Verhältnis zu den Figuren haben, sodass jene sich angenommen fühlen und lust- voll gute Züge machen? Als der Russe Alexander Morosewitsch kürzlich bei einem Schnell- schachturnier in Nizza diese Stellung gegen den Holländer van Wely hatte, musste er, ebenso wie sein Gegner, auf solch eine Beziehung allerdings verzichten, denn es wurde "blind", sprich: ohne Ansicht des Bretts, gespielt.

Mit welch schöner Kombination erzwang Morosewitsch als Schwarzer ein Matt in 3 Zügen?

Helmut Pfleger