Im Februar habe ich in dieser Zeitung eine Glosse geschrieben (Nie wieder heulen , ZEIT Nr. 7/08) , in der es um die gentechnische Entwicklung einer tränenreizfreien Zwiebel ging. In frühestens zehn Jahren darf man mit der Marktreife dieses Wundergemüses aus dem Biolabor rechnen, bis dahin ist der Zwiebelschneider auf die diversen Hausrezepte gegen den Tränenfluss angewiesen, die letztlich alle nicht helfen.

Ein paar Tage später klingelte das Telefon, und der Mitarbeiter einer PR-Agentur behauptete, das ultimative Mittel gegen tränende Augen zu haben: ein besonders scharfes japanisches Messer, so scharf, dass es den Zwiebelsaft nicht aus den Zellen austreten lässt.

So ein Unsinn, sagte meine Freundin, das wäre ja so, als würde man zwischen den Regentropfen hindurchlaufen, ohne nass zu werden.

Wieder ein paar Tage später stand sie in der Küche und schnitt mit dem Testmesser Zwiebeln, ohne zu weinen. Und auch bei mir hat es funktioniert. Natürlich ist es nicht so, dass überhaupt kein Zwiebelsaft austritt – auch das japanische Hocho-Messer durchtrennt unweigerlich die Zellwände, und Zwiebelaroma erfüllt die Küche. Aber tatsächlich ist das Messer so scharf, dass es die Zellen durchschneidet und nicht zerquetscht und entsprechend weniger Saft austritt.

Im Prinzip ist es kein Problem, sehr scharfe Messer herzustellen, es gibt genug harte Stahlsorten. Allerdings gilt auch: Je härter der Stahl, desto brüchiger ist er. Deshalb haben die Samurai für ihre Schwerter eine Technik entwickelt, die auch bei den handgeschmiedeten Küchenmessern Anwendung findet: Man verarbeitet zwei Metallsorten, ultraharten Karbonstahl und zähes Eisen. Wie Blätterteig wird dieses Sandwich wieder und wieder gefaltet, geschmiedet und feuerverschweißt, sodass es am Ende bis zu 65 Lagen enthält, was man auch an dem schillernden Wellenmuster sieht.

Natürlich legt sich der Küchen-Samurai ein solches Edel-Messer nicht nur für die Zwiebeln zu. Es macht einfach Spaß, damit Karotten zu schneiden, ohne dass die Scheibchen durch die Küche fliegen, oder zu sehen, wie die Klinge fast schon mit ihrem Eigengewicht eine reife Tomate durchtrennt. Nur auf die Finger muss man höllisch aufpassen. Schon der Versuch, die Klinge ein bisschen einzuölen (sie rostet nämlich sehr leicht) führte bei mir zu einer äußerst schmerzhaften Verletzung. Aber auch diese sauberen Schnitte heilen angeblich schneller. Christoph Drösser

Japanisches Hocho-Messer, circa 62 Euro. Zu beziehen über Dick feine Werkzeuge, dick.biz