O ut of Africa: Kinofans schwärmen bei diesem Filmtitel von der Liebesgeschichte zwischen Tania Blixen und ihrem Großwildjäger. Mariam Mayet aus Südafrika aber hat ganz andere Assoziationen: Sie denkt an Ressourcenraub. Out of Kenya, out of Gambia und aus vielen anderen artenreichen Ländern hätten westliche Unternehmen biologisches Material entwendet, kritisiert die Juristin vom African Center for Biosafety in einem Report; ob Haut und Haare afrikanischer Tiere, Blätter und Wurzeln oder Mikroben. Aus deren Wirkstoffen seien dann Diabetesarzneien entwickelt worden, Cremes gegen Akne oder Bleichmittel für Jeans. Produkte, an denen die Firmen gut verdienten – doch die Bauern und Heiler im Ursprungsland gingen leer aus.

Zum Beispiel bei Umckaloabo, einem Medikament gegen Erkältung. Man gewinnt es aus südafrikanischen Pelargonien, und darauf hält die Firma Dr. Willmar Schwabe Patente. Zwei davon ficht ein Zuludorf jetzt an: Eines schützt ein Verfahren zur Herstellung von Wurzelextrakten, ein anderes die mögliche Anwendung bei Folgeerkrankungen von Aids. Die Firma habe sich des Traditionswissens der Zulu bemächtigt, ohne zu fragen, protestiert Mariam Mayet, geschweige denn ihnen etwas zu bezahlen – "ein klarer Verstoß gegen die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt". Denn die gesteht ihren Unterzeichnern die volle Hoheit über ihre genetischen Ressourcen zu. Der Hersteller winkt ab: Schon vor hundert Jahren seien die Kapstadt-Pelargonien nach Europa gebracht worden, lange vor der Gültigkeit des Artenschutzabkommens. Zudem sei das Extraktionsverfahren aufwendig so entwickelt worden, dass es westlichen Pharmastandards genüge.

Über diesen Fall werden jetzt Patentrichter entscheiden, doch dass es "Biopiraterie" energischer zu bekämpfen gilt, hat jüngst auch die Bundeskanzlerin bekräftigt. Genressourcen könne man "nicht einfach wegschleppen", tadelte Angela Merkel "einige pharmazeutische Unternehmen"; bei Fässern mit Erdöl sei die Bezahlung schließlich auch selbstverständlich. Die Kanzlerin weiß: Bei der Bonner Artenschutzkonferenz wird dieser Konflikt im Zentrum stehen; ohne seine Entschärfung geht dort auch sonst nichts voran.

Das gilt nicht nur, weil der Streit das alte koloniale Ausbeutungsschema spiegelt – der Norden bereichert sich an den Naturschätzen des Südens – und entsprechende Empfindlichkeiten berührt. Vor allem bei den 17 "megadiversen" Entwicklungsländern ist die Enttäuschung darüber groß, dass ihnen die erkämpfte Souveränität über ihr "grünes Gold" nur wenig eingebracht hat – gemessen an den Überweisungen, die sich manche Regierungen von einer reichen Industrie erträumt hatten. Auf eine halbe Billion Dollar wird der Jahresumsatz der Pharmabranche geschätzt, mehr als ein Drittel der Medikamente des Westens gehen auf natürliche Wirkstoffe zurück. Hinzu kommt die Nachfrage nach Kosmetik.

Die Arzneimittelindustrie spielt den Nutzen der Tier- und Pflanzengene zwar herunter: Die Suche nach Wirkstoffen im Dschungel sei teuer und oft ergebnislos und die Hoffnung der Entwicklungsländer überzogen, sagt Pharmasprecher Norbert Gerbsch. Die moderne Biotechnologie ermögliche zudem andere Formen der Innovation.

Der Armada von Konzernanwälten fühlen sich kleine Länder unterlegen

Doch von Madagaskar bis Kolumbien bleibt das Misstrauen tief, es werde weiter geschmuggelt und geschummelt. Und sind die Pflanzengene erst einmal außer Landes, kann man sie kaum mehr aufspüren. Die Behörden vieler Länder verfügen ja nicht einmal über einen Breitband-Internetanschluss, um wie Mariam Mayet in Patentdatenbanken zu surfen.

Auf dem Papier ist der Streit eigentlich gelöst: Laut den "Bonner Leitlinien" der Artenschutzkonvention dürfen sich ausländische Unternehmen nur bedienen, wenn sie Regierungen und einheimische Völker zuvor informiert und ihr Einverständnis eingeholt haben; im Falle einer Produktentwicklung soll ein ausgewogener Vorteilsausgleich ausgehandelt werden. Es gibt auch immer mehr Kooperationen: Äthiopien bekommt eine kompliziert errechnete Gewinnbeteiligung von einer niederländischen Firma dafür, dass diese Teff-Saatgut vermarkten und aus dem Mehl glutenfrei backen kann. Oder das Buschmannvolk der San ist nach langem Streit mit einem kleinen Prozentanteil an den Einkünften aus Appetitzüglern beteiligt, die der Hoodia-Pflanze entzogen werden.