Noch ruht die Himmelsscheibe von Nebra tief im Museumskeller, verborgen hinter dicken Panzerschranktüren. Doch von Freitag dieser Woche an kann man sie hier im Allerheiligsten bestaunen. In der kleinen Museumsrotunde wird sie dann aus der Dunkelheit heraus mythisch leuchten und dem Besucher eine "geradezu existenzialistische Erfahrung" bescheren. Mehr darf nicht verraten werden. Museumsdirektor Harald Meller macht’s gern spannend.

Nach all dem Trubel um die Scheibe nun das Happy End: Sie musste Raubgräbern abgenommen werden, dann stand sie unter Fälschungsverdacht, und der Prozess gegen die Hehler dauerte ewig. Jetzt aber wird sie im frisch sanierten Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle präsentiert – als Höhepunkt der neuen Dauerausstellung, die weit vor unserer Zeit beginnt, mit der Rekonstruktion eines 370.000 Jahre alten Rastplatzes, auf dem ein Homo-erectus-Clan seinen Wohlstandsmüll hinterlassen hatte: Kochsteine, Hackmesser, Knochenschaber – und neben viel Geweih und Elfenbein auch die zerschlagenen Scheitelbeinfragmente menschlicher Schädel.

"Bloß eines der besten Museen Deutschlands zu machen, das wäre mir zu wenig", sagt der selbstbewusste Meller, Hausherr und Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt. "Wenn man schon einen Weltfund hat, dann muss man ihn der Weltöffentlichkeit auch entsprechend präsentieren."

Dass die Himmelsscheibe ein Fund von Weltrang ist, steht außer Frage. Sie ist die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Welt und in ihrer Art einmalig. Die jüngsten Forschungen zeigen, dass es sich bei dem mindestens 3.600 Jahre alten Bronzestück um eines der ersten Instrumente empirischer Wissenschaft handelt. Auf der Scheibe ist eine astronomische Botschaft verschlüsselt, die man eher Leonardo da Vinci zugeschrieben hätte als einem namenlosen Altvorderen aus der mitteleuropäischen Provinz.

Halle stellt nicht aus, Halle inszeniert. Da werden nicht nur die großknöchernen Überreste einer Elefantenmahlzeit von Neandertalern gezeigt. Vielmehr bricht durch die Museumswand ein fast viereinhalb Meter hoher Waldelefant hervor. Am eigenen Leib erfährt man, wie viel Mumm es brauchte, sich einem solchen Monstrum entgegenzustellen – bewaffnet bloß mit einer Lanze.

Viel zu viele archäologische Museen beschränkten sich auf die Präsentation von Töpfen, Faustkeilen und Knochen, schimpft Meller. "Ich bewundere die Besucher, die sich solch langweilige Ausstellungen ansehen." Dabei werde eine Barriere zwischen uns und der Vergangenheit errichtet. "Wenn man nur ein Steinbeil in der Vitrine sieht, drängt sich unweigerlich der Gedanke auf: Wie primitiv! Wir hingegen sind die Menschen mit dem Laptop!" Gerade die jüngsten Entdeckungen in Sachen Himmelsscheibe zeugten jedoch von der großen geistigen Potenz der Menschen vergangener Zeiten. "Die waren nicht dümmer als wir."

Als die Himmelsscheibe vor 3.600 Jahren auf dem Mittelberg bei Nebra vergraben wurde, war sie schon 100, vielleicht sogar 400 Jahre im Gebrauch und dabei mehrfach verändert worden. "Man muss sich die erste Version vornehmen", erklärt Meller, "um herauszufinden, wozu sie überhaupt geschmiedet wurde." Auf der Urversion blitzten 32 goldene Sterne im auberginefarbenen Dunkel um Voll- und Sichelmond herum.