Björn Lappe plagen dieser Tage Zweifel. Während seiner Studienzeit hat er sich im Studierendenausschuss der Universität Münster engagiert – vorbildlich, könnte man meinen. Aber Ehrenamt und straffer Bachelorstundenplan, das verträgt sich nicht gut , und sein Studium der Politik und Geschichte verzögerte sich um ein Jahr.

Nach der Regelstudienzeit müsste Björn Lappe jetzt seine Bachelorarbeit schreiben, doch er überlegt, die Abgabe um ein Semester hinauszuschieben. "Irgendwie hinbekommen würde ich die Arbeit schon, aber ich habe einen gewissen Anspruch daran, und die Note wird ja auch wichtig werden". Denn er möchte unbedingt einen aufbauenden Masterabschluss machen, der Bachelor fühlt sich für ihn wie ein besseres Grundstudium an, aber an der Uni Münster gibt es Zulassungskriterien für den Master, die auch die Note berücksichtigen. "Die Aussagen sind schwammig", so Lappe. "Aber ich habe gehört, dass ich mindestens einen guten Zweier-Notendurchschnitt haben muss, um zugelassen zu werden."

Sein Mitbewohner André Schnepper, Referent für Hochschulpolitik im Asta Münster, registriert, dass sich in den letzten Tagen immer mehr besorgte Studenten an den Studierendenausschuss mit Fragen zu den die Mastervoraussetzungen wenden. An seiner Uni geht damit momentan, wie an vielen anderen Hochschulen im Land, ein diffuses Gefühl von Angst um die Vergabe der Masterstudienplätze umher.

Das Vertrauen in den Bachelor scheint unter den Studenten noch immer nicht hoch zu sein. Laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) aus dem vergangenen Jahr wollten 2005 mehr als drei Viertel der Universitäts-Bachelorabsolventen nach dem Abschluss noch einen Master machen. An der Uni Hamburg beabsichtigen nach einer Umfrage des Asta, an der 3000 Studenten teilgenommen haben, ganze 87 Prozent, einen Master an ihren Bachelorabschluss anzuschließen.

Doch nicht an jeder Universität stehen dafür Kapazitäten zur Verfügung. Wie unterschiedlich die Regelungen im föderalen Bildungssystem sind, so verschieden sind auch die Übergangsregelungen von Bachelor zu Master. In Köln etwa haben im Schnitt nur 50 Prozent der Bachelorabsolventen die Möglichkeit, einen Master zu machen.

Nach Angaben der Zentralen Studienberatung müssen Absolventen durchschnittlich eine Abschlussnote von 2,5 oder besser erbringen, um einen weiterführenden Studienplatz zu erhalten. Beim Hochschulverband sieht man Übergangsquoten kritisch. "Die Quote ist Betrug an jungen Leuten", so der Vorsitzende Bernhard Kempen. "Jeder Student sollte unbedingten Anspruch auf einen Masterplatz haben."

Doch nicht an jeder Hochschule müssen Studenten für den Masterzugang um den Notendurchschnitt bangen. An der TU Darmstadt etwa wird schon von Anfang an ausgewählt. Wer zum Bachelorstudium antreten darf, hat auch einen Anspruch auf einen Masterplatz. Auch an der TU München möchte man mit dem Begriff "Quote" nichts zu tun haben. "Wer den Bachelor absolviert hat, hat Anrecht auf einen Masterplatz", so die Pressestelle. "Eine Quote gibt es nicht."