DIE ZEIT: Was unterscheidet Ihr Lehramtsstudium von dem anderer Universitäten?

Volker Möhle: Unsere Studenten können im Bachelor neben dem ersten Unterrichtsfach von Anfang an Erziehungswissenschaft belegen. In mehreren Praxisstudien und vor allem in den neuen Fallstudien lernen sie das pädagogische Handlungsfeld besonders früh kennen und entwickeln ein schulrelevantes Profil. Damit steuern wir bewusst gegen den allgemeinen Trend, pädagogische Inhalte bis ins Masterstudium aufzuschieben.

DIE ZEIT: Was sind denn das für Fallstudien?

Möhle: Viele Studienanfänger glauben ihr Berufsfeld schon bestens zu kennen – nur weil sie gerade von der Schule kommen. Die Herausforderungen des Lehrerberufs sind ihnen aber weitestgehend unbekannt. In den Fallstudien entwickeln wir systematisch den Blick für Handlungsprobleme verschiedenster Art: Wie gehen Lehrkräfte mit Disziplinproblemen um? Welche Rolle spielt die Elternzufriedenheit für das Lernklima in der Schule? Woran erkenne ich den Förderbedarf eines Schülers? Wie kann ich die Wirksamkeit meines Unterrichts einschätzen und verbessern? Solche Fragestellungen, die wichtige Grundlage für professionelles pädagogisches Handeln sind, wurden im Studium bislang stark vernachlässigt.

DIE ZEIT: Kommt das zweite Unterrichtsfach dann nicht zu kurz?

Möhle: Nein, dafür ist das gleiche Studienvolumen vorhanden, wie an anderen Universitäten auch – nur eben konzentriert auf die Masterphase. Ein zusätzlicher Vorteil: Wir können die Studenten bei der Wahl des zweiten Unterrichtsfaches gezielt beraten. Zeichnet sich zu Beginn des Masters eine gewisse Tendenz am Arbeitsmarkt ab, kann es sinnvoll sein, sich kurzfristig für ein Mangelfach zu entscheiden – also eines, das möglichst wenig Mitbewerber im Angebot haben.

DIE ZEIT: Und wenn ich noch gar nicht weiß, ob ich Lehrer werden will?