Wenn Svenja zur ersten Vorlesung einen Kaffee braucht, dann deshalb, weil sie bereits einen anstrengenden Morgen hinter sich hat: Vor der Uni versorgt sie ihre zwei kleinen Kinder und bringt sie in den Kindergarten. Dann bleiben ihr sechs Stunden für Vorlesung, Seminar und Nachbearbeitung. Danach muss sie sich wieder um ihre Kinder und den Haushalt kümmern. So viel Zeit fürs Studium wie ihren Kommilitonen bleibt der jungen Mutter nicht.

Svenja Hoppe-Sumic studiert im 8. Semester Jura an der Universität Hamburg. Möglich ist ihr das, weil sie ihr Studium in Teilzeit absolvieren kann. »Den normalen Semesterplan nach dem Curriculum kann ich gar nicht bewältigen«, sagt die 33-Jährige.

Was lange überfällig war, haben die Hochschulen in Deutschland erst im Zuge des Umbaus aller Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse überhaupt in Angriff genommen: die Einführung echter Teilzeitstudiengänge.

Laut OECD-Studie ist die Zahl der deutschen Hochschulabsolventen im internationalen Vergleich immer noch zu gering. Um endlich zusätzliche Studienanfänger an die Unis zu locken, können sich die Fachbereiche längst nicht mehr nur auf den typischen Durchschnittsstudenten – jung, kinderlos, ohne soziale Verpflichtungen – verlassen, sondern müssen sich mit ihren Angeboten auch auf jene einstellen, die nicht so flexibel sind, in Vollzeit zu studieren, also vorwiegend Berufstätige und Mütter oder Väter kleiner Kinder.

Eigentlich sind die Hochschulen schon seit Jahren durch das Hochschulrahmengesetz angehalten, ihre Fächer sowohl in Vollzeit als auch in eigenen Teilzeitstudiengängen anzubieten. Doch die Realität sieht anders aus: Im Hochschulkompass, einem Onlineangebot der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), wurden noch 2006 nur zwei Prozent der universitären Studiengänge als Teilzeitstudiengänge ausgewiesen, seitdem sind es kaum mehr geworden.

»Das liegt nicht an der mangelnden Flexibilität der Hochschulleitungen«, sagt Patrick Neuhaus von der HRK, »Den Universitäten fehlen Geld und Personal, denn echte Teilzeitstudiengänge sollen vor allem abends und am Wochenende stattfinden.« Die wenigen Angebote, die trotz knapper Mittel entstehen, sind dann oft nicht mehr als Notlösungen: Üblicherweise wird den Studierenden auf schriftlichen Antrag hin die Regelstudienzeit dahingehend berechnet, dass ihre Semester im Teilzeitstudium als halbe Fachsemester, aber als volle Hochschulsemester gezählt werden, das war es dann auch schon. Extravorlesungen? Fehlanzeige.

Doch auch die Notlösungen sind für die Betroffenen immer noch besser als nichts. »Ich habe im Semester mehr Zeit für die Klausurvorbereitung, da ich nur ein Seminar belege«, sagt Svenja Hoppe-Sumic. »Die Leistungsnachweise kann ich auch später einreichen, und sogar meine Prüfung darf ich später machen. Sonst hätte ich dafür Urlaubssemester nehmen müssen, aber da darf man ja gar keine Leistungen erbringen.«