Das Verhältnis des Menschen zur Natur ist von jeher angespannt, was die Gesundheit angeht. Früher drohte der Kältetod, heute fürchtet sich die Menschheit vor tieffliegenden Pollengeschwadern. Angesichts einer blühenden Linde verschlägt es vielen Asthmatikern alsbald den Atem, sie würden im Frühling am liebsten zum Kettensägenmassaker ausrücken. Schützend werfen sich ein paar Wissenschaftler von der Columbia University dazwischen. Baumgesäumte Straßen, sagen sie, verringerten Asthmaerkrankungen bei Kindern. Wie das grüne Therapeutikum wirkt, weiß man nicht genau. Fungieren die Bäume als Feinstaubfilter, oder beruhigt einfach der Anblick?

Grün ist offenbar Balsam für die Seele. Nachdem ein paar australische Forscher den Staub des Outback aus ihren Kitteln gebürstet und sich in den blühenden Vororten umgesehen hatten, kamen sie zu dem Schluss: Grün macht froh und gesund. Einerseits locke eine freundliche Umgebung zu längeren Spaziergängen, andererseits trage der entspannte Plausch über die Buchenhecke hinweg zur heiteren Grundstimmung bei. Das wusste der Gartenliebhaber schon lange. Aber selbst wenn man diese Aspekte herausrechnet, hebt die "Grünheit" an sich die Laune.

Das finale Argument dafür, dass das Bundesgesundheitsministerium Gutscheine für ein paar saftige Rabatten ausgeben sollte, liefern schwedische Naturmediziner. Sie berichten von der positiven Wirkung natürlicher Umgebung auf die Bewegungslust und damit auf das Körpergewicht.

Wäre zu überlegen, ob Mediziner sich nicht ihre Affinität für die Farbe Weiß abgewöhnen sollten. Wenig heilsam ist der Pulk an Weißkitteln, der in der Klinik täglich zur Visite ausrückt und sich als "weiße Wolke" am Bett des Patienten zusammenbraut. Der vergisst angesichts der Strahlkraft, was er fragen wollte. Eine beruhigend grüne Kluft tragen nur Intensivmediziner, Chirurgen und Anästhesisten. Schade, denn wenn sie den Patienten begegnen, sind die meist bewusstlos.