DIE ZEIT: Jetzt im Frühjahr klingelt in vielen Haushalten unerwartet das Telefon: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben eine Reise gewonnen", heißt es am anderen Ende der Leitung. Oder im Briefkasten liegt eine Nachricht über einen angeblichen Reise-Gewinn. Haben solche Angebote gerade Konjunktur?

Silvia Schattenkirchner: Ja. Kaum wird das Wetter warm, wollen die Menschen raus. Das wissen auch zweifelhafte Reiseveranstalter. Deshalb häufen sich bei uns jetzt die Beschwerden von ADAC-Mitgliedern, die auf solche Lockangebote hereingefallen sind.

ZEIT: Welche Köder werden denn da zum Beispiel ausgeworfen?

Schattenkirchner: Neuerdings werden viele Menschen in einem persönlichen Anschreiben zu einem Vortrag eingeladen. Ein Ehepaar etwa leitete uns neulich so einen Brief weiter. Sie sollten sich über Nahrungsergänzungsmittel informieren. Unter den Teilnehmern verlosen die Veranstalter dann angeblich eine Reise. Allerdings benachrichtigen sie hinterher offenbar jeden als Gewinner. In der plumperen Variante wird direkt der Gewinn eines angeblichen Preisausschreibens verkündet. Oder man dankt für die Teilnahme an einer Umfrage, die es gar nicht gegeben hat.

ZEIT: Wenn die Reise selbst aber gar nichts kostet – wie lässt sich mit ihr Profit machen?

Schattenkirchner: Umsonst ist eine solche Reise nur auf den ersten Blick. Beim Buchen stellt sich heraus, dass die Termine für Gratisreisen "leider" alle schon belegt sind und der Kunde einen "Saisonzuschlag" von 50 bis 150 Euro für ein anderes Datum zahlen muss. Manche Anbieter verlangen eine "Kaution" für Sitzplatz- und Hotelreservierungen. Im Kleingedruckten steht dann: Die Kaution wird nicht wieder ausbezahlt. Gerne werden auch Gebühren für den Arbeitsaufwand verlangt. Oft werden die Reisenden vor Ort zu Verkaufsveranstaltungen genötigt. Außerdem arbeiten unseriöse Unternehmen oft mit extrem hohen Stornokosten.

ZEIT: Warum ist denn gerade diese Masche so beliebt?