Seit einem Vierteljahrhundert reden, genauer: nuscheln Israel und Syrien immer wieder einmal über Frieden. In Damaskus heißt der Chef stets Assad, einst der Vater, nun der Sohn; in Israel war’s ein bunter Reigen von Premiers: die Sozialdemokraten Rabin, Peres und Barak, aber auch die Rechtsausleger Netanjahu und Scharon. Und nun Ehud Olmert, dessen Gesandte sich bereits seit einem Jahr mit den Syrern unter dem Schirm türkischer Vermittler in Istanbul getroffen haben – und weiter reden wollen. "Vermittler" ist schon zu hoch gegriffen; die Türken trabten zwischen den Gästen als Briefträger hin und her, hört man aus Istanbul. Anderseits saßen in den verschiedenen Räumen keine Unterlinge, sondern Joram Turbowitz, Olmerts Bürochef, und Riad Daoud, ein erfahrener Unterhändler des syrischen Außenministeriums. Wird’s diesmal ernst?

Ehud Olmert sagt, was in solchen Fällen stets von der Festplatte purzelt: "Die Verhandlungen werden nicht einfach sein; sie können sehr lange dauern." Wieder ein Vierteljahrhundert? Seit 1992 heißt es auf beiden Seiten vorsichtig, zögerlich: "Ja, vielleicht, lieber doch nicht." Das lässt ahnen, dass der Frieden für sie nicht höchste Priorität hatte. Der Golan blieb seit 1967 in Israels Hand – und jeder konnte damit leben, weil jeder die "roten Linien" des anderen peinlichst respektierte. Was also gibt’s Neues im Osten?

Ein anderer Satz Ehud Olmerts lässt aufhorchen: "Jeder neue US-Präsident muss zwei Jahre warten, bis er genug weiß und die Zeit dazu hat, sich mit diesem Problem zu beschäftigen." Dann an Damaskus: Wer eine Lösung will, "muss sich beeilen. Für Syrien führt die Straße nach Washington über Jerusalem." Hinter diesem einen Satz verbirgt sich ein ganzes – und vor allem neues – Buch. Bislang ging es immer nur um den Golan – um die Frage: Wie viel Land für wie viel Frieden? Die klassische Antwort des israelischen Premiers Jitzchak Rabin lautete 1992: Je mehr Frieden, desto mehr Rückzug. Inzwischen aber ist der Golan gleichsam zum Requisit auf einer Bühne zusammengeschrumpft, die sich gewaltig ausgedehnt hat: von der Levante bis nach Teheran.

Damit hat sich auch das Drama verändert. Die Szene wird nicht mehr von Israelis und Arabern beherrscht, sondern von Amerika und Iran – von der Weltmacht und dem regionalen Emporkömmling, der seinen Anspruch durch seine Stellvertreter bis nach Beirut (Hisbollah) und Gaza (Hamas) vorgetrieben hat. Dazwischen liegt Syrien, das zwar von den Arabern geächtet wird, aber als strategischer Partner Irans und als Pipeline für Waffen an Hisbollah fungiert.

Davor stehen Amerika und Israel, der "Große" und der "Kleine Satan", die gemäß uralter geopolitischer Logik ein geschärftes Interesse an der Eindämmung der Khomeinisten teilen. Ringsum liegen die arabischen Staaten, die den gleichen Wunsch hegen, aber diesen nur unhörbar artikulieren. Man weiß ja nie, wer zum Schluss im Ring stehen bleibt.

Allerdings sind sich auch die beiden "Satane" nicht einig. Für George W. Bush, der 2005 zusammen mit Frankreichs ehemaligem Staatspräsidenten Jacques Chirac die Syrer aus dem Libanon vertrieben hat, bleibt Damaskus Juniorpartner der "Achse des Bösen". Sollte man also einen Deal mit Syrien schließen? Das hieße doch, dem Schurkenstaat, der gern missliebige Politiker in Beirut liquidieren lässt, zumindest stillschweigend wieder den Libanon in den Rachen zu werfen. Gar Wirtschaftshilfe an ein Land, das Amerikas Feinde im Irak munitioniert? Die amerikanische Demokratie-Agenda in den Reißwolf? Und wie soll man Kairo, Riad und Amman von dieser Politik überzeugen, die auch nicht glauben, der Libanon sei ein Teil von "Groß-Syrien"?

Für Israel jedoch ist das Regime in Damaskus das kleinere Übel: besser Assad, der Realpolitik betreibt, als Nasrallah, der Chef von Hisbollah, der den Libanon als Raketenbasis gegen Israel ausgebaut hat. Zöge man Assad zu sich hinüber, wäre die Hisbollah-Gefahr eingehegt: keine Waffen mehr aus Iran. Überdies wäre Syrien das letzte Stück im Friedenswall, der schon Ägypten und Jordanien umfasst; das würde das Geschäft mit den Palästinensern erleichtern.