Bildung seit der Steinzeit
Schon die ersten Menschen gaben Wissen an nachfolgende Generationen weiter. Der Umgang mit dem Faustkeil musste gelehrt, ein Feuer zu entfachen gelernt werden. So verstanden, gibt es Bildung seit rund 200.000 Jahren. Einrichtungen, in denen Lehrer Kenntnisse und Erfahrungen systematisch vermitteln, sind dagegen sehr viel später entstanden und an die Erfindung der Schrift gebunden.

Die ältesten Schulen
Die bislang älteste Erwähnung einer Schule hat man in Ägypten gefunden – auf einer rund 4000 Jahre alten Grabinschrift. Im Reich der Pharaonen studierten angehende Beamte die Kunst der Hieroglyphen. Auch Moral und Mathematik standen auf dem Stundenplan. In den griechischen Stadtstaaten entwickelte sich später das erste ausformulierte Bildungskonzept, die Paideia . Sie bezeichnete nicht nur den Schulunterricht für Kinder, sondern umfasste einen Bestand von Wissensinhalten, politischen und ethischen Vorstellungen. Nach einer Grundausbildung konnten die Jugendlichen Gymnasien als weiterführende Schulen besuchen, die bereits von staatlichen Beamten geleitet wurden.

Der erste Methodenstreit
Schon bei den Griechen konkurrierten zwei pädagogische Denkschulen: die Sophisten mit ihrer belehrenden Methode sowie deren Kritiker mit Sokrates (470 bis 399) und seinem Schüler Platon (427 bis 347) an der Spitze. Bei der sokratischen Methode entdeckt der Schüler – angeregt durch geschicktes Fragen des Lehrers – selbst die Wahrheiten. Diese anspruchsvolle Didaktik hat sich bis heute erhalten, wenn auch häufig als quizartige Schrumpfform: Der Lehrer fragt so lange, bis die Schüler die richtige Antwort geben.

Bildung für die Eliten
Die Griechen waren die Lehrmeister Roms und später des christlichen Europas. Bildung stand jedoch nur wenigen offen: dem freien, männlichen Teil der Bevölkerung aus wohlhabenden Familien. Daran änderte sich auch im mittelalterlichen Europa wenig. Neu war hingegen, dass die Vermittlung von Bildung nun von der Kirche übernommen wurde. Auch wer kein Priester werden wollte, lernte in Kloster-, Dom- oder Pfarrschulen . Auch in den Universitäten, in denen vom 11. Jahrhundert an die höhere Bildung stattfand, hatte die Kirche das Monopol.

Bildung für alle
Mit der Gründung von Städten, dem Buchdruck und der Reformation verweltlichten sich die Bildungsinstitutionen. Reformatoren wie Philipp Melanchthon (1497 bis 1560) gründeten Schulen, entwarfen Schulordnungen und erneuerten die Lehre in den Universitäten. Johann Amos Comenius (1592 bis 1670) forderte als Erster eine Schule für alle: Jungen wie Mädchen, Reiche wie Arme. Sie sollte verpflichtend sein und die Lebenswelt der Kinder einbeziehen. Schon er hoffte angesichts der Zerstörungen des 30-jährigen Krieges auf eine bessere Gesellschaft und friedlichere Welt durch Bildung.

Der Großreformer
Lange Zeit herrschten weiterhin große Unterschiede zwischen Stadt und Land, katholischen und evangelischen Gebieten. Zu einer grundlegenden Neuordnung kam es erst unter Wilhelm von Humboldt (1767 bis 1835) in Preußen. Er erschuf ein mehrgliedriges Schulsystem, in dem jeder nach seinen Fähigkeiten gefördert wurde, und konzipierte die moderne Universität als Stätte der Lehre und Forschung. Schon zuvor wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt und bestimmt: "Schulen und Universitäten sind Veranstaltungen des Staates."

Radikale Ideen
Seit dem 18. Jahrhundert kritisierten Erneuerer Lehrinhalte und Methoden des Schulsystems. In Musterschulen verwirklichten sie ihre Ideen, etwa der Schweizer Pädagoge Heinrich Pestalozzi (1746 bis 1827), der eine Bildung "mit Kopf, Herz und Hand" propagierte, die Italienerin Maria Montessori (1870 bis 1952), welche auf das Lernen aus eigenem Antrieb setzte, oder der Deutsche Rudolf Steiner (1861 bis 1925) mit seiner Waldorfpädagogik. Diese Konzepte konnten das Regelschulsystem nicht wandeln. Was sich tatsächlich änderte, war das Bildungsniveau: Immer mehr Menschen lernen immer länger, als Ziel gar ein Leben lang.