Düster, böse und erbarmungslos. So begann Woody Allen seine Londoner Trilogie, mit der der 72-Jährige alle, die sein Alterswerk bereits als eine überraschungsfreie Sammlung neurotischer Skurrilitäten sehen wollten, eines Besseren belehrte. Düster, böse und erbarmungslos lässt er sie jetzt mit Cassandras Traum auch enden. Nach seinen ethnologischen Erkundungszügen ( Match Point ) durch das britische Klassensystem und einer etwas hampelig geratenen Kriminalkomödie ( Scoop ) schaut sich Allen nun in den Verteilungskriegen der unteren Mittelklasse um. Im jüngsten Film seiner London Murder Mysteries geht es um ein heimtückisches Verbrechen.

Die Schuld, die den Täter in Match Point als nächtliches Gespenst heimsucht und in Scoop als untotes Mordopfer aus dem Jenseits Aufklärung fordert, sitzt den Delinquenten in Cassandras Traum wie ein Dämon im Nacken. Zu den treibenden Klangwellen von Philip Glass wird sie groß und größer und verselbstständigt sich zu einer geradezu kathartischen Macht. Vor allem dem Autoschrauber und Spieler Terry (wunderbar zerknautscht gespielt von Colin Farrell) setzt sie gewaltig zu. Zusammen mit seinem Bruder Ian, den Ewan McGregor als naiven Gelegenheitskapitalisten gibt, hat er seine Seele an den reichen Onkel Howard aus Amerika verkauft. Howard, Vertreter eines besonders brachialen Kapitalismus, gibt bei seinen Neffen einen Mord in Auftrag, um sein Imperium aus Schönheitskliniken zu verteidigen.

Anders als in Match Point spukt die Verführungskraft des Materiellen hier nicht durch elegante Bilder vom guten, reichen Leben. Die Optik (Kamera: Vilmos Zsigmond) wirkt eher flach und protestantisch, die Aufnahmen der Brüder bleiben oft eng, wie der Radius ihrer manisch um Geld und Schuld kreisenden Gedanken. Doch genau aus diesen Beschränkungen schlägt der Film seine Funken: aus näher rückenden Wänden, aus immer schneller abgeschrittenen Räumen und aus der spürbar quälenden inneren Unruhe zweier Brüder, die erst die Geldnot, dann die Gier und dann das Gewissen jagt.