Als sich der Golan vor 1967 in syrischem Besitz befand, lag genau hier Israels verletzlichste Grenze. Viele Menschen in der Region erinnern sich noch daran, wie syrische Soldaten regelmäßig von den Golanhöhen herunter auf israelische Zivilisten im niedriger gelegenen Galiläa schossen.

Nach dem Krieg im Jahre 1967 wurde der Golan zum ruhigsten Abschnitt der Landesgrenzen. In Israel überwiegt das Gefühl, um des lieben Friedens (wenn auch nicht einer formalen Friedensregelung) willen sei es weitaus besser, wenn israelische Soldaten von den Golanhöhen hinab nach Syrien schauten, als wenn umgekehrt erneut syrische Soldaten nach Galiläa herabsähen.

Israelische Befürworter eines Golanabzugs argumentieren, dieser Schritt könne helfen, Syrien im Rahmen eines formalen Friedensabkommens dazu zu bringen, sich von Iran abzuwenden. Tatsächlich würde es für Israel einen enormen Vorteil bedeuten, wenn in einem künftigen Nahostkrieg – etwa gegen Iran – die syrische Front neutralisiert wäre. Deshalb zählen auch viele Militärstrategen in Israel zu den Befürwortern von Verhandlungen mit Assad. Doch Syrien pocht weiterhin auf den Vorrang seines Bündnisses mit Iran.

Zwei israelische Staatsmänner, Jitzchak Rabin und Erud Barak, versuchten in den neunziger Jahren vergeblich, eine Einigung mit Baschars Vater, dem verstorbenen syrischen Präsidenten Hafis al-Assad, zu erzielen. Sowohl Rabin als auch Barak waren zu einem vollständigen Rückzug von den Golanhöhen bereit.

Doch die Syrer verlangten mehr, nämlich mehrere Hundert Meter Uferlinie an Israels wichtigster Frischwasserquelle, dem See Genezareth. Diese hatten die Syrer vor 1967 von Israel erobert. Die syrisch-israelischen Verhandlungen scheiterten damals, als Rabin und Barak einhellig deutlich machten, dass Hafis al-Assads erklärter Traum, seine Füße im See Genezareth zu baden, mit ihrer Hilfe nicht in Erfüllung gehen werde.

Dass auch die aktuellen Verhandlungen scheitern werden, ist so gut wie sicher. Die Golanhöhen zu besitzen ist im Grunde auch gar nicht Assads oberste Priorität. Der syrische Präsident verfolgt zwei andere vorrangige Interessen: Zum einen will er verhindern, dass es zu einem internationalen Tribunal kommt, das die Rolle der syrischen Regierung bei der Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik Hariri im Jahr 2005 untersuchen würde. Zum anderen will Assad die Aufmerksamkeit der Welt davon ablenken, dass der Libanon immer stärker unter die Kontrolle eines syrisch-iranischen Bündnisses mit Hisbollah gerät. Verhandlungen mit Israel, ob erfolgreich oder nicht, helfen Assad, weil sie die Weltöffentlichkeit von der Zerstörung der libanesischen Souveränität ablenken. Zugleich helfen sie Assad, die Rolle des Parias abzulegen und sich als Mann des Friedens darzustellen.

Israels Premierminister Olmert setzt seinerseits darauf, dass Friedensverhandlungen seine ganz persönlichen Kümmernisse in den Hintergrund drängen werden: Korruptionsvorwürfe, die sich teilweise auf seine Amtszeit als Bürgermeister von Jerusalem beziehen. Derweil fragen sich andere Israelis, wie es im nationalen Interesse ihres Staates liegen könne, Assad dabei zu helfen, zugleich den Libanon zu zerstören und sich der juristischen Verfolgung zu entziehen.