Für Außenseiter
Auch wenn es die öffentliche Meinung anders sieht: Das Problematische an der Präsidentschaft von George W. Bush war nicht dessen Entscheidung, gegen den Irak in den Krieg zu ziehen. Das eigentliche Problem besteht darin, dass Amerika in dieser Zeit seine moralische Glaubwürdigkeit eingebüßt hat.

Daraus ergibt sich die Gefahr, dass die gesamte Welt in den Abgrund gerissen werden könnte. Wo es an moralischer Führung fehlt, drohen Unruhe und Unordnung. Vielleicht lässt sich dieser Gefahr nur dadurch begegnen, dass sich die USA zum ersten Mal für einen schwarzen Präsidenten entscheiden.

Mit Obama an der Spitze könnte die einzige Supermacht genug moralische Reputation zurückerlangen, um die Führungsrolle wieder zu übernehmen, die sie verloren hat. So gesehen, wäre ein Präsident Obama aus türkischer Perspektive ein gutes Zeichen. Zudem stehen wir Türken in dem Ruf, stets Sympathien für Außenseiter zu hegen – und in den USA sind Bürger mit afrikanischen Wurzeln immer Außenseiter gewesen. Wenn wir verfolgen, wie am anderen Ufer des Atlantiks der Wettkampf um das Weiße Haus geführt wird, dann wünschen wir uns, dieser junge Schwarze möge die USA erneuern.

Noch etwas anderes lässt einen Präsidenten Obama für uns Türken attraktiv erscheinen. Unsere Öffentlichkeit hat die amerikanische Besetzung des Iraks von Anfang an heftig abgelehnt. Sie kann zum Zerfall des Landes führen und bedroht damit auch die territoriale Integrität der Türkei. Deshalb erscheint die Aussicht höchst attraktiv, dass ein Politiker amerikanischer Präsident werden könnte, der den Rückzug der amerikanischen Truppen gefordert hat. Heute befindet sich das Ansehen der Vereinigten Staaten in der Türkei auf einem historischen Tiefstpunkt. Ein Präsident Obama hätte die Chance, die türkische Gesellschaft für sich zu gewinnen.

Die herrschenden Eliten der Türkei hingegen stimmt die Aussicht weniger froh, Barack Obama als Präsidenten zu erleben. Das türkische Establishment fühlt sich traditionell amerikanischen Präsidenten mit ausgeprägtem sicherheitspolitischem Profil verbunden. Barack Obama umgibt sich mit unorthodoxen, liberalen und freiheitlich gesinnten Beratern. Ganz offensichtlich legt er besondere Sensibilität für ebenjene Fragen an den Tag, die türkischen Entscheidungsträgern besonderes Unbehagen bereiten. Hinter vorgehaltener Hand machen die Regierenden daher keinen Hehl daraus, dass sie John McCain oder Hillary Clinton den Vorzug geben.

Obamas Präsidentschaft könnte einen wichtigen Impuls bedeuten, der die Prozesse des zivilgesellschaftlichen Aufbruchs und der demokratischen Transformation in der Türkei weiter stärkt. Oder sie könnte die Beziehungen zwischen diesen beiden verbündeten Staaten noch komplizierter machen, als sie ohnehin schon sind.

Cengiz Çandar hat als Publizist für diverse Zeitungen, unter anderem »Hürriyet«, geschrieben

Fast zu schön
Die arabische Mittelschicht erkennt in Obama die Art von Hoffnung wieder, die vor vier Jahrzehnten mit dem »amerikanischen Traum« verbunden wurde – zu einer Zeit, als die USA für viele Menschen in dieser Region noch als das Gesicht der Demokratie und Land der unbegrenzten Möglichkeiten galt. In nahezu allen arabischen Medienberichten über den Vorwahlkampf der Demokraten erhielt Barack Obama begeisterte Zustimmung, viele feiern Obama als Retter dessen, was von Amerikas gutem Ruf noch übrig ist.

Aber andere – vielleicht sogar die meisten – halten Obama für zu gut, um wahr zu sein. Hier geht der Stern eines amerikanischen Politikers auf, der von seinem muslimischen Vater den arabischen Namen erhielt und in Indonesien eine islamische Schule besuchte. Doch vielleicht ist es ebendies, was sie daran zweifeln lässt, dass er tatsächlich eine Chance hat, der nächste US-Präsident zu werden. Aber was geschieht, wenn er tatsächlich gewinnt?

Meiner Ansicht nach würde ein Präsident Obama für den Nahen Osten einen grundlegenden Umbruch bedeuten. Man sehnt nach den acht Jahren der Regierung Bush einen neuen Anfang herbei. Barack Obama wird als Präsident definitiv die Herzen und Köpfe der Menschen im Nahen und Mittleren Osten gewinnen, sofern er die Kompliziertheit der Politik in dieser Region berücksichtigt, den Rückzug der USA aus dem Irak durchsetzt und sich den Menschen hier als bessere Alternative präsentiert.

Jimmy Carter, George Bush senior und Bill Clinton erwarben sich als amerikanische Präsidenten in dieser Weltgegend allesamt Respekt und teilweise sogar Bewunderung, weil sie sich für Frieden und Versöhnung einsetzten. Obama könnte es genauso ergehen. Ein ernsthafter amerikanischer Versuch, die Palästinenser und die Israelis zurück an den Verhandlungstisch zu bringen, würde die Region mit Sicherheit beeindrucken. Iran und Syrien, Hisbollah und Hamas erscheint ein amerikanischer Präsident, der ohne Vorbedingungen zu Verhandlungen bereit ist, vermutlich besonders wünschenswert – aber gerade eine aktive Außenpolitik der Vereinigten Staaten, die für Frieden und friedliche Koexistenz im Nahen Osten einträte, könnte diese Staaten und Organisationen unter enormen Druck setzen. Weil sie den Antiamerikanismus brauchen wie die Luft zum Atmen, hätten sie plötzlich ihr stärkstes Argument verloren.

Adel Al Toraifi ist saudi-arabischer Politikexperte mit Sitz in London und regelmäßiger Kommentator des TV-Senders »alarabiya« Adel Al Toraifi, Saudi-Arabien

Einer von uns
Barack Obama als der neue Weltpräsident? Diese Vorstellung ist eine willkommene Ablenkung von dem düsteren Alltag der kenianischen Politik. Düster, weil wir gerade die ersten Schritte aus der schlimmsten Krise unserer Geschichte nehmen, die zu Beginn des Jahres durch die umstrittene Präsidentschaftswahl ausgelöst wurde.

Der Blick auf Obama ist für uns deshalb so wohltuend, weil wir ihn teilweise als kenianisch ansehen können und er vieles von dem verkörpert, was die kenianische Politikerkaste gerade nicht darstellt. Bei seinem Besuch in Kenia vor zwei Jahren kritisierte er scharf die Korruption, die Kenias Wohlstand und Wachstum erstickt. Auch appellierte er an die Politiker, mit ihrer Strategie aufzuhören, die ethnischen Unterschiede zu beschwören und auszubeuten. Der Appell wurde von der kenianischen Regierung wütend abgetan, stieß aber bei der Bevölkerung auf Zustimmung. Sogar durch seine Statur stellt er einen frappierenden Kontrast zu der ausladenden Körperfülle eines kenianischen »Big Man« dar. Das Ehepaar Obama ließ sich denn auch öffentlich auf HIV testen – was ein kenianischer Politiker nie tun würde. Obama stattete damals auch der Zeitung The Standard einen Besuch ab, um seine Ablehnung eines bewaffneten Überfalls auf die Büros der ältesten Zeitung Kenias öffentlich zu zeigen. Dieser war offensichtlich von der Regierung organisiert worden. Er scheint also kein Mensch zu sein, der Angst vor schwierigen Themen hat. In Kenia wie in den USA ist Obama zum Symbol eines längst überfälligen Generationswechsels geworden. Der 77-jährige Präsident Mwai Kibaki ignoriert beharrlich die Notwendigkeit zur Erneuerung.

Obama ist einer von uns, deshalb hegen wir beschützende Gefühle ihm gegenüber. So reagierten kenianische Zeitungen empört, als konservative Amerikaner ein Bild von Obama bei seinem Keniabesuch in traditionellem Gewand dazu missbrauchen wollten, um ihn als Muslim bloßzustellen.

Würden wir denn die USA anders wahrnehmen mit Obama als Präsidenten? Ja und nein. Ja, weil alles andere besser wäre als die jetzigen Regierenden. Ihn auf seine Herkunft und seinen vielfältigen Werdegang zu reduzieren und deshalb eine »globale« Politik zu erwarten wäre aber falsch – und zu viel verlangt.

Um die übermäßigen Erwartungen seiner Zuhörer einzudämmen, machte Obama bei seinem Besuch klar, dass er vor allem ein Repräsentant der amerikanischen Wähler sei. Auch wenn das hieße, Positionen wie Protektionismus in der Landwirtschaft zu vertreten, die unseren Interessen schadeten.

Gladwell Otieno war Chefin von Transparency International Kenia und leitet jetzt das Afrikanische Zentrum für offene Regierungsführung Gladwell Otieno, Kenia, Nairobi

Obama ein zweiter Carter?
Ich glaube, dass Israel einen amerikanischen Präsidenten mit schwarzer Hautfarbe, Charisma, Wurzeln in der Dritten Welt und interreligiöser Ausstrahlung braucht. Wir brauchen jemanden im Weißen Haus, der es für richtig hält, mit Syrien und Iran zu reden, bevor er gegen sie Krieg führt; jemanden, der sich viel stärker in den israelisch-palästinensischen Friedensprozess einmischt und uns den Schubs gibt, den wir benötigen, damit wir Risiken eingehen und zusätzliche Zugeständnisse machen, wenn sie nötig sind.

Aber zugleich brauchen wir einen amerikanischen Präsidenten, der gegen Iran in den Krieg zieht, wenn dies erforderlich werden sollte; einen Präsidenten, der bedingungslos zu uns hält, sollten wir jemals existenziellen Bedrohungen ausgesetzt sein; einen, der in sicherheitspolitischen Dingen gewieft und erfahren ist.

Die erste Gruppe von Bedingungen erfüllt Barack Obama ohne Wenn und Aber. Hält er auch nur eine einzige begeisternde Rede vor der israelischen Öffentlichkeit – schon wird er uns für sich gewonnen haben. Aber es sieht so aus, als passe zum zweiten Bündel von Bedingungen eher der republikanische Kandidat John McCain.

Genau darin liegt mein Dilemma, wenn ich mich von Tel Aviv aus mit der Kandidatur von Barack Obama beschäftige. Nehme ich das ganze Ausmaß des Flurschadens in Augenschein, den George W. Bush im Nahen Osten angerichtet hat, dann will ich lieber nicht erleben, dass John McCain antritt, um das zu erfüllen, was Obama vielsagend eine »dritte Bush-Amtszeit« nennt. Aber zugleich befürchte ich, Obama könnte für eine »zweite Carter-Amtszeit« stehen. Jimmy Carter glaubte ebenfalls daran, dass es richtig sei, mit allen Seiten zu reden. Im Jahr 1977 versuchte er, uns in eine katastrophale Nahost-Friedenskonferenz mit der Sowjetunion hineinzuziehen, bis ihn der direkte israelisch-ägyptische Friedensschluss unter Sadat und Begin eines anderen belehrte. In den darauf folgenden Jahren wiederum war er viel zu zurückhaltend gegenüber den islamistischen Revolutionären, die in Iran den Schah stürzten.

Der nächste amerikanische Präsident wird im Nahen und Mittleren Osten eine ebenso komplizierte wie bedrohliche Agenda erben: Irak, Iran, Libanon. Hinzu kommen al-Qaidas Kraft in Afghanistan und Pakistan, die negativen Effekte des gescheiterten Demokratisierungsprogramms der Regierung Bush sowie die durch die Decke schießenden Ölpreise.

Verglichen mit McCain, strahlt Obama zweifellos aus, dass er eine Vision von Amerikas Rolle in der Welt besitzt. Aber genauso klar ist, dass ihm Erfahrung und sicherheitspolitisches Know-how fehlen. Wird er in jeder entscheidenden Frage des Nahen und Mittleren Ostens das notwendige Urteilsvermögen an den Tag legen? Wird sich Israel im Augenblick der Krise auf Barack Obama verlassen können?

Yossi Alpher leitet die Internet-Publikationsgruppe Bitterlemons. Zuvor war er Direktor am Jaffee Center for Strategic Studies in Tel Aviv Yossi Alpher, Israel, Tel Aviv

Viel zu sozial
Der Welt ist es nicht gleichgültig, wer Präsident der Vereinigten Staaten wird. Denn die freie Welt baut auf Amerika. Die Fackel in den Händen der Freiheitsstatue vertreibt die totalitäre Finsternis auf allen Kontinenten. Deshalb ist das Phänomen Barack Obama nicht nur für die Bürger seines eigenen Landes, sondern für die gesamte progressive Menschheit interessant.

Nicht so bemerkenswert ist, dass die Amerikaner bereit sind, unabhängig von ihrer Hautfarbe für einen Afroamerikaner zu stimmen. Die Zeiten der Rassendiskriminierung sind lange vorbei. Man muss nur an Colin Powell oder an Condoleezza Rice denken. Im heutigen Amerika ist eine rassistische Äußerung eines der sichersten Mittel, um aus der anständigen Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Die Amerikaner sind zu einem Volk von Menschenrechtlern geworden. Einst haben sie sich mit der Sklaverei und den Kämpfen gegen die Indianer ins Unrecht gesetzt. Deshalb nehmen sie heute Afroamerikaner und Ureinwohner unermüdlich in Schutz. Manchmal übertreiben sie das sogar, was eine umgekehrte Form des Rassismus bedeutet.

Die Neuigkeit des Phänomens Obama besteht vielmehr darin, dass Amerika bereit ist, für einen linken Populisten zu stimmen. Seine Absicht ist es, arme und gering verdienende Amerikaner stärker in staatlichen Schutz zu nehmen. Die unabänderliche Doktrin des wirtschaftlichen Fortschritts ist aber: Man soll die Früchte seiner Arbeit ernten und nicht nach dem Gut des Nachbarn streben. Das Präsidentenamt darf nicht der Lohn für Obamas soziale Versprechungen sein. Die Welt stützt sich nicht auf die Wohlfahrtsempfänger, sondern auf jene, die sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Sie stützt sich auf Bill Gates und nicht auf arbeitsunwillige Obdachlose und Landstreicher, denen ein amerikanischer Präsident persönlich das Essen kocht und anschließend serviert.

Amerika hat die Sozialstaatlichkeit nie so weit getrieben wie Europa. Obama aber will es dahin drängen. Es mag sein, dass Obama, den man aus irgendwelchen Gründen als Außenseiter gelten lässt, obwohl er als Senator zum Establishment gehört, gar nicht vorhat, seine Versprechungen als Präsident umzusetzen. Dann hätte Amerika Glück gehabt. Aber man sollte es erst gar nicht riskieren. Die Welt darf sich nicht in die Richtung verrückter sozialer Experimente bewegen. Und Obama sollte es nicht erlaubt sein, sich hinter seiner Zugehörigkeit zu einer unterdrückten Minderheit zu verstecken. Niemand hat ihn unterdrückt.

Walerija Nowodworskaja ist Kolumnistin der russischen Zeitschrift »The New Times«

Walerija Nowodworskaja

Besser als unsere Greise
Die kubanischen Karikaturisten, jene, die ihr Geschäft gemacht haben mit Nixons Nase oder dem faltigen Gesicht Reagans, die Bush in undenkbaren Stellungen gezeichnet haben, sie alle haben ein Problem mit Barack Obama. Sollte er ins Weiße Haus gelangen, werden die wenigen Zeitungen der Insel sehr vorsichtig sein müssen mit dem grafischen Humor, den sie gegen Obama richten. Am heikelsten wird sein, den kriegerischen Charakter der Zeichnungen zu bewahren, ohne die Lippen zu übertreiben oder das Haar zu kräuseln und den neuen Präsidenten damit rassistischem Gespött auszuliefern.

Aber nicht nur für die Soldaten, die mit Tinte und Humor kämpfen, wird es schwierig. Wenn Obama die Wahl gewinnt, wird sich auch der politische Diskurs der Insel neu definieren müssen. Im Laufe von nahezu 50 Jahren Revolution haben die Republikaner immer besser ins Feindbild gepasst als die Demokraten, die wie Carter oder Clinton nie vollständig im Spiel der Konfrontation aufgingen. Obendrein genießt Obama ebenso viele Sympathien bei kubanischen Intellektuellen wie bei der schwarzen Bevölkerung und vor allem bei den Jüngeren.

Die Kampagne von Barack Obama fußt auf dem Begriff der »Veränderung« und gleicht darin dem Wunsch der großen Mehrheit der Kubaner, vor allem denjenigen von uns im Alter zwischen 25 und 40 Jahren. Etwas Beispielloses ist geschehen: Im Norden, auf den die offizielle Propaganda von jeher alles Böse und Lästerliche konzentriert, ist jemand aufgetaucht, mit dessen Diskurs wir uns identifizieren. Sein Alter steht im Gegensatz zu den greisen Gesichtern der Siebzigjährigen, die Kuba regieren, während seine scharfsinnigen Antworten auf die vorgefertigten Diskurse unserer Anführer prallen. Ohne es darauf angelegt zu haben, ist Barack Obama der schwierigste Kandidat, den sich die kubanische Regierung hätte vorstellen können. Es ist undenkbar, dass es diesem eigenwilligen Demokraten nicht gelingen sollte, die Konfrontation zu durchbrechen, die im Laufe von fünf Jahrzehnten nur dazu geführt hat, die politische Kontrolle der Autoritäten auf der Insel zu verschärfen.

Die Liste von Themen, die heute die Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten beeinflussen, ist bedrückend, und der junge nordamerikanische Kandidat hat sich bisher nur am Rande zu einigen wenigen Gemeinplätzen geäußert. Das Embargo, das Verbot für US-Staatsbürger, die Insel zu besuchen, die Entschädigungszahlungen, die beide Seiten reklamieren, die Existenz eines Programms der US-Regierung zum Sturz des kubanischen Regimes sind die vielleicht brennendsten Punkte. Zu glauben, dass ein Präsident sie mit einem einzigen Handstreich lösen kann, wäre eine Illusion. Aber Obama könnte eine neue Richtung durchsetzen in diesem Konflikt, der nach so vielen Jahren praktisch wie von einem Autopiloten gesteuert zu sein scheint.

Ein anderer Aspekt, der Obama in den Augen der kubanischen Bevölkerung zugute kommt, ist sein republikanischer Gegner. John McCain passt perfekt in die Feindschablone, die das Regime braucht, um sich weiterhin zu behaupten. Dieser Mann war nicht nur Gefangener in Vietnam, er hätte auch das seltene Privileg gehabt, eines der Flugzeuge zu steuern, die bereitstanden, um Havanna zu bombardieren, hätten die Sowjets 1962 nicht ihre auf der Insel stationierten Nuklearraketen abgezogen. Aus diesem Grund sehen sowohl Revolutionäre als auch die Sympathisanten der kubanischen Regierung in ihm den nächsten Feind, der neue »Maßnahmen gegen Kuba« verhängen wird. Oppositionelle und Kritiker wissen, dass die Politik der Konfrontation in den vergangenen Jahren immer nur dazu gedient hat, mit einem Belagerungszustand zu rechtfertigen, dass es keine Redefreiheit und kein Versammlungsrecht geben kann.

Ich weiß nicht, wie viel sich in Kuba ändern wird, sollten sich die nordamerikanischen Wähler im kommenden November für Obama entscheiden. Aber die schiere Möglichkeit, sein junges, farbiges Profil im Weißen Haus zu sehen, sprengt bereits jetzt das Feindbild, an dem die offiziellen Medien – und die heiteren Karikaturisten – so viele Jahrzehnte lang gearbeitet haben.

Yoani Sanchez wurde durch ihren unzensierten Blog »Generación Y« berühmt. Das »Time«-Magazin zählte sie in diesem Jahr zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt Yoani Sanchez, Kuba, Havanna