Noch zweimal schlafen. Dann kommt zwar nicht das Christkind, aber die Fußball-EM. Dann können wir wieder eintauchen in diese "emotionale Achterbahnfahrt" (Oliver Kahn), in diesen "magischen Moment oder das absolute Nichts" (der österreichische Dichter Franzobel). Dann werden wir mit allen Fasern unseres Seins spüren, warum Uwe Seeler keine Angst vor dem Tod hat, "denn im Himmel wird auch Fußball gespielt". Ach, könnten wir Schachspieler doch nur ein Quäntchen von alldem erhaschen – vielleicht wird im Himmel in einer ruhigen Ecke ja auch etwas Schach gespielt?! Doch wer wird lamentieren? Schließlich ist selbst irdischer Trost gar nicht so weit. Felix Magath: "Schach ist ein unheimlich schönes Spiel. Jede Aktion hat ihre Begründung. Ich habe praktisch aus dem Schach die Theorie für den Fußball abgeleitet."

Ich bezweifle allerdings, dass das auch bei der 85-jährigen Maria Floreani aus Turin so war. Die Zeitung La Stampa berichtete, dass diese im Seniorenheim eine Fußballübertragung so leidenschaftlich verfolgt hätte, dass sie andere Zuseher beschimpft und körperlich angegriffen hätte. Beinahe hätte man sie des Hauses verwiesen. Die Rettung war ihre Zusicherung, sich künftig während der Fußballsendungen mit ihrem zweiten Hobby zu beschäftigen – dem Schach. Das machen wir jetzt auch.

Mit welch feinem Zug gewann beim Blindschnellschach in Monaco 2007 der Russe Wladimir Kramnik als Schwarzer gegen den Ungarn Peter Leko? Übrigens sind beide leidenschaftliche Fußballanhänger.

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 23:
Welche weiße Opferkombination führte zum Matt des eingeklemmten schwarzen Königs? Das Springeropfer 1.Sf6! drohte Turmmatt auf h7, sodass die angegriffene weiße Dame tabu war. Doch auch die Opferannahme 1…Txf6 rettete wegen 2.Td8+ Tf8 und nun dem fantastischen Damenopfer 3.Dd4+!! Dxd4 4.Txf8 matt nicht