Manchen setzen die Jahrzehnte zu wie ein schwerer Kampf, sie graben sich ins Gesicht und verformen den Körper, als sei er Knetmasse. Um Grzegorz Latos Augen haben sich tiefe Falten eingegraben, und die Locken, die sich um seine Glatze kräuselten, sind kurzem, grauen Haar gewichen. Aber das weltberühmte Gesicht des jungen Fußballhelden Grzegorz ist im Gesicht der Fußballlegende Lato noch immer erkennbar. Grzegorz Lato hat die Statur eines Sportlers, bis vor Kurzem war er Politiker, nun ist er Funktionär im polnischen Fußballbund.

"Oje, ich fürchte mich schrecklich vor dieser Europameisterschaft", sagt er. Er klingt wie ein Kind, dem eine schwere Prüfung bevorsteht. Nur hat Lato keine Prüfung zu überstehen, dafür aber "seine" Nationalmannschaft, deren Ruhm er als Rekordnationalspieler in den siebziger Jahren aufgebaut hat.

Woher die Furcht, Herr Lato? "Wir haben zwei starke Favoriten in der Gruppe, Deutschland und Kroatien."

Wen fürchten Sie mehr?

"Die Kroaten sind stärker. Aber gegen die Deutschen haben wir noch nie gewonnen."

Polen gegen Deutschland, das ist die Geschichte eines Fluchs, der schon seit 1974 auf der polnischen Nationalmannschaft lastet. Vor zwei Jahren, bei der Weltmeisterschaft in Deutschland, wurde er wieder bestätigt. Am 14. Juni 2006 traten Polen und Deutschland gegeneinander an, der Sieger würde ins Achtelfinale einziehen, der Verlierer nach Hause fahren. Für beide Mannschaften war der Sieg wichtig. Aber für die Deutschen war noch wichtiger, nicht gegen die Falschen zu verlieren.

Die Polen wären die Falschen gewesen.