Die Weltwirtschaft auf der Kippe: Anfang des Jahres ließ die Finanzkrise samt Bankenpleiten schon einmal viele Menschen eine Depression fürchten. Die Angst verzog sich überraschend schnell, nachdem der Kollaps des Finanzsystems abgewendet worden war. Jetzt explodieren die Preise für Öl und Gas. Prompt kommt die Furcht auf, diesmal ginge es wirklich bergab.

Man kann sich über das rasende Auf und Ab an den Börsen und in den Medien mokieren, doch die Gefahr im Februar war real, sie ist es heute, und sie wird es erst einmal bleiben. Mag sein, dass der Ölpreis bald wieder fällt und erneut alle aufatmen. Aber unabhängig davon, woher die einzelnen Schocks kommen und wie schnell sie ihren Schrecken wieder verlieren, die Weltwirtschaft ist auf einer überaus gefährlichen Wegstrecke.

Fünfzehn Jahre lang lebten wir gut mit einer instabilen Lage: Jahr um Jahr liehen sich die USA vom Rest der Welt mehr Geld, mit dem die Amerikaner dann in aller Herren Länder einkaufen gingen und so das globale Wachstum in Gang hielten. Nun wird es Amerika zu viel. Die Finanzkrise hat seine Bürger ärmer gemacht, und der billige Dollar lässt viele ausländische Waren für sie unerträglich teuer werden. Also stagniert die amerikanische Wirtschaft, und die Welt muss sich des drohenden Abschwungs erwehren und ein neues Gleichgewicht suchen.

Die Europäer und Asiaten haben viel zu verlieren

Allein das ist ein gewaltiges Unterfangen. Eine Herausforderung kommt hinzu: Die US-Wirtschaft konnte nur deshalb so lange das Schwungrad der Welt sein, weil die Zentralbank in Washington jeder drohenden Schwäche begegnete, indem sie mehr Geld in Umlauf brachte. Vor allem aus diesem Grund ist weltweit eine gigantische Liquidität entstanden, die schnell in eine Inflation münden könnte, wie wir sie seit den siebziger Jahren nicht mehr erlebt haben. Rezession plus Inflation – das wäre die schlechteste aller ökonomischen Welten.

Was käme da ungelegener als Rekordpreise für Nahrung und Energie. Doch das weltweite Wachstum ließ auch die Nachfrage nach Getreide und Fleisch, Öl und Kohle steigen. Zudem suchen die Besitzer des überschüssigen Geldes stets neue Anlagemöglichkeiten. Sie schufen die Blase am Markt für US-Hypotheken, deren Platzen die Finanzkrise auslöste. Und sie sind es, die nun Nahrung und Energie als Anlagefelder entdecken und den Preisboom verstärken.

Der Kapitalismus schafft sich seine Bedrohungen eben selbst. Dann bedarf es großer Mühe und vereinigter Kräfte, um sie abzuwenden.