Vielleicht war es ja eine Art Weihnachtswunder. Zumindest klingt es so, wenn sie an der Universität Mannheim vom vergangenen Dezember erzählen, als sei im alten Kurfürstenschloss etwas beinahe Mystisches geschehen. Erbitterte Auseinandersetzungen hatten die Hochschule zuvor erschüttert, Demonstrationen, Rücktritte und wütende Verlautbarungen über die Lokalpresse. Es ging um die Zukunft der Universität, für die Rektor Hans-Wolfgang Arndt große Pläne hatte, wie er fand, Pläne, die Mannheim in die Liga der besten Wirtschaftsuniversitäten weltweit katapultieren sollten.

Heute sitzt Arndt in seinem Büro mit fünf Meter hoher Decke und leistet sich einen für ihn seltenen Augenblick der Nachdenklichkeit. »Sicher«, sagt er leise, »am Anfang gab es persönliche Verletzungen auf beiden Seiten, die vorübergehend in eine Sprachlosigkeit mündeten.« Pause. Dann geht ein Ruck durch Arndt, er knipst sein Lächeln an und dröhnt: »Aber seit Dezember liegt das hinter uns, und es sind keine negativen Emotionen geblieben!«

Spätestens durch diese Auseinandersetzungen ist die Universität Mannheim ein Modell für die Zukunft geworden: Die Kämpfe, die sich die Reformer und ihre Gegner geliefert haben, sagen Experten auch anderen deutschen Universitäten voraus, die sie wie Mannheim mit seinen knapp 12.000 Studenten für zu klein halten, um neben den großen Volluniversitäten konkurrenzfähig bleiben zu können.

Die kleinen Hochschulen müssten sich Nischen suchen, in denen sie erfolgreich sein könnten, anstatt wie die Großen alle Fächer anbieten zu wollen, aber naturgemäß in schlechterer Qualität. Die Nische der Mannheimer seien die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sagt Arndt. »Wir brauchen die Profilschärfung, um zu überleben!«

Er hat es überall gesagt in den vergangenen zwei Jahren, manchmal hat er es auch herausgebrüllt, um gegen den Krach der Trillerpfeifen und Buhrufe anzukommen auf einer der Kundgebungen, die Studenten, Professoren und Dozenten gegen die Uni-Leitung organisiert haben. Man tut ihm, dem Juristen und Finanzexperten, sicher kein Unrecht mit der Feststellung, dass er polarisiert. Arndt, 63, ist der Typ Macher, der den Raum beherrscht, sobald er eintritt. Groß gewachsen, dazu seine tiefe, laute Stimme und das drängende »Ja?«, mit dem er seine Sätze beendet, als dulde er keinen Widerspruch.

Er musste lernen, dass man den Widerstand derjenigen nicht unterschätzen sollte, für die Profilschärfung nur ein anderes Wort für Kürzung ist – derjenigen Fächer, die nach Ansicht der Verantwortlichen nicht zum Profil gehören. Der Asta-Vorsitzende Miloš Milošević bringt es auf den Punkt: »Strukturelle, fakultätsübergreifende Veränderungen ohne die Mitsprache aller Fakultäten, gerade der betroffenen, das geht nicht.«

Betroffen waren in Mannheim vor allem die Geisteswissenschaften, die Gerüchten zufolge sechs Lehrstühle, ein gutes Viertel, abgeben sollten. Die Uni-Leitung spricht nur von drei Professuren, die zur Disposition standen. Zudem sollten die Geisteswissenschaftler ihre Eigenständigkeit als Philosophische Fakultät einbüßen. Selbst der Mannheimer Bürgermeister protestierte.