Ist es das Schlusskapitel oder der Auftakt zu einem Thriller, der in der Buchbranche spielt? Steht der traditionsreiche Aufbau-Verlag wegen eines in der deutschen Nachkriegsgeschichte einzigartigen Rechtsstreits vor dem Ende? Oder etwa vor einer Reinkarnation?

Was bisher geschah: Vor zwei Wochen meldeten die Aufbau-Geschäftsführer René Strien und Tom Erben Insolvenz für die Aufbau Verlagsgruppe GmbH an. Der Grund: Zahlungsunfähigkeit. Ob Überschuldung hinzukommt, wird geprüft. Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus spricht von fünf Millionen Euro Verbindlichkeiten, bei Banken, Druckereien und Autoren. Bernd F. Lunkewitz hatte den Verlag im September 1991 von der Treuhand über eine Investorengemeinschaft gekauft, an der seine eigene BFL-Beteiligungsgesellschaft mbH 75 Prozent hielt; seit 1995 sind es 100 Prozent. Kaufpreis: eine Million Mark, drei Millionen Mark Verbindlichkeiten wurden übernommen. Als Kompensation für ein herausgelöstes Grundstück und zur Begleichung von Ansprüchen aus Lizenzverletzungen in DDR-Zeiten flossen von der Treuhand später neun Millionen Mark an Aufbau. Nun, 17 Jahre später und nachdem Lunkewitz 48,8 Millionen Euro in das Abenteuer Aufbau gesteckt haben will, dreht er den Geldhahn zu.

Die wenig erfreulichen Bilanzen der Aufbau Verlags GmbH zeigen, dass Verluste wie Kosten des Verlags zu hoch ausfielen. Im Buchgeschäft mit seinen geringen Margen sind Personalkosten, die an 15 Prozent des Umsatzes heranreichen, ruinös. Bei Aufbau lagen sie im Bilanzjahr 2006 bei rund 22 Prozent, gestiegen von knapp 15 Prozent im Vorjahr.

Über Lunkewitz’ eigentliches Geschäft mit Immobilien ist wenig bekannt. Die BFL-Beteiligungsgesellschaft mbH, über die Aufbau gekauft worden war und in der weitere Beteiligungen wie die Rechtevermarktungsfirma Aufbau Media GmbH gebündelt sind, weist in der Bilanz für 2006 einen Fehlbetrag von 36 Millionen Euro aus.

Die Entfremdung zwischen dem schillernd-strahlenden Ritter Lunkewitz und seinen Geschäftsführern, die sich nach über einem Jahrzehnt enger Zusammenarbeit nun als Opfer eines Verräters darstellen, zeichnete sich schon länger ab. Lunkewitz’ zähen und teuren Kampf gegen die Treuhand, die – vom Bundesgerichtshof im März dieses Jahres bestätigt – ein Unternehmen verkaufte, das sie nie besessen hatte, wollen seine Angestellten lange Zeit nicht recht verfolgt haben. Hatte Lunkewitz nicht 1995 den Verlag ein zweites Mal, vom eigentlichen Besitzer Kulturbund, privat erworben, war so nicht alles in bester Ordnung? Nicht für Lunkewitz. Der fordert nach dem Sieg vor dem BGH nun seine investierten Millionen von der Aufbau-Gruppe zurück, die sich nach seiner Vorstellung das Geld von der Treuhand-Rechtsnachfolgerin BvS holen soll, der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderausgaben, die bisher alle Ansprüche als unbegründet zurückweist.

Der Insolvenzverwalter erwägt nun ebenfalls, so Voigt-Salus gegenüber der ZEIT, mit einer Forderung an die BvS heranzutreten. Die Treuhand habe beim Verkauf vergessen, das Stammkapital des Verlags auszuzahlen, daraus ergebe sich ein "knallharter Anspruch", nicht nur gegenüber der Treuhand, auch gegenüber der BFL von Lunkewitz.

Die Kernfrage zur Zukunft von Aufbau bleiben die Rechte. Lunkewitz beansprucht sie für sich. Bis Redaktionsschluss liefen die Gespräche zwischen Lunkewitz und dem Insolvenzverwalter. Wer den Aufbau-Thriller weiterschreibt, wissen nicht einmal seine bisherigen Autoren. Christian Meier