Wenn Trudy Stevenson an München denkt, wird sie zornig. "Dort sitzen Komplizen von Mugabes teuflischem Regime", sagt die Abgeordnete der simbabwischen Oppositionspartei Movement for Democratic Change (MDC), und sie nennt die Komplizen beim Namen: Giesecke & Devrient (G&D). Der globale Technologiekonzern stellt "hochsensible" Produkte her, wie es auf seinem Internetportal heißt, Kreditkarten, fälschungssichere Ausweise, vor allem aber Banknoten. Zu seinen geschätzten Kunden gehört die Reserve Bank of Zimbabwe in Harare. "Wir müssen Giesecke & Devrient stoppen", fordert Stevenson, "denn mit diesem Geld finanziert Mugabe den Terror."

Der 84-jährige Diktator kämpft nach der Niederlage bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen seine vermutlich letzte Schlacht. Um die Stichwahl am 27. Juni zu gewinnen, sendet er seine Todesschwadronen ins Land: Soldaten und Parteimilizen, die die Anhänger der Opposition einschüchtern, foltern und ermorden. Die Menschenrechtsorganisation ZimRights schätzt, dass mehr als 50 Regimegegner dieser Politik zum Opfer gefallen sind.

Die staatlichen Mordkommandos werden mit den Geldscheinen bezahlt, deren Material aus dem Hause G & D stammen soll. Mugabe braucht immer mehr Geld für seine Kampagne, denn die Wirtschaft seines Landes ist ruiniert und die Inflationsrate hat das Weltrekordniveau von 160.000 Prozent erreicht. Für das Traditionsunternehmen aus Bayern, das unter anderem Euro für die Europäische Zentralbank druckt, ist die Geldentwertung ein lukratives Geschäft. G & D versorgte schon den Despoten Mobutu im untergehenden Zaire mit Banknoten. Derzeit soll das Unternehmen laut der britischen Wochenzeitung Sunday Times Woche für Woche 432.000 Druckbögen nach Simbabwe liefern; jeder Bogen bestehend aus 40 Scheinen mit Wasserzeichen, auf die in einer Druckerei in Harare die jeweiligen Nominalwerte gepresst werden. Die Spezialtinte kommt nach Angaben eines deutschen Diplomaten ebenfalls aus München.

"Creating confidence – wir schaffen Vertrauen", flötet eine Stimme in der Telefonwarteschleife des Münchner Stammhauses. Die Kooperation mit Mugabe wird dort weder bestätigt noch dementiert. "Wir können nicht über Kundenbeziehungen reden, weil sie auf Vertraulichkeit basieren", sagt Barbara Kögler, die Pressesprecherin. Im Übrigen handle es sich bei der Banknotenherstellung um eine hoheitliche Aufgabe, man halte sich strikt an internationale Vorschriften, die unter anderem von der Weltbank festgelegt würden. Man spürt, dass diese Angelegenheit dem Unternehmen höchst unangenehm ist. Wer will schon mit einem Zahlungsmittel in Verbindung gebracht werden, das manche Simbabwer "Blutgeld" nennen?

Es sieht so aus, als könne Präsident Robert Mugabe auch künftig auf eine vertrauliche Zusammenarbeit bauen – Giesecke & Devrient pflegen offenbar die Städtepartnerschaft zwischen München und Harare weiter, die der Münchner Stadtrat vor Jahren eingefroren hat. Und so geht der "Wahlkrieg", den der greise Alleinherrscher entfesselt hat, unvermindert weiter. Sein Regime verbietet Kundgebungen der MDC und terrorisiert deren Anhänger. Morgan Tsvangirai, der Oppositionsführer, wird regelmäßig festgenommen, neutrale Wahlbeobachter aus dem Ausland sind unerwünscht. Und weil China und Russland im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ihre Hand über Mugabe halten, hat er keine Boykottmaßnahmen zu befürchten. Die Sanktiönchen der EU tun ihm nicht weh, ihre Reisebeschränkungen treffen lediglich ausgewählte Vertreter der politischen Elite. Der allmächtige Staats- und Parteichef kann es sich sogar leisten, die internationale Gemeinschaft zu verhöhnen. Neulich, beim UN-Welternährungsgipfel in Rom, bezichtigte er seine ausländischen Feinde, den Hunger in Simbabwe verursacht zu haben. Gegen humanitäre Organisationen wie Care International, die seit Jahren Nothilfe für vier Millionen bedürftige Simbabwer leisten, hat Mugabe ein Arbeitsverbot verhängt. Sie würden heimlich die Opposition unterstützen, lautet die Begründung.

Auf seine kommerziellen Helfer kann sich Mugabe verlassen, sie mischen sich nicht in die Angelegenheiten ihres Geschäftspartners ein. Jede Woche lande die Frachtmaschine einer niederländischen Cargo-Firma auf dem Flughafen von Harare und liefere das Rohmaterial aus Deutschland, berichtet die Abgeordnete Stevenson. Jede Woche rollten Geldtransporter erst zur Notenpresse, dann zur Zentralbank. Und jeden Monat würden Milliarden von Simbabwe-Dollar an Mugabes Schergen verteilt. "G & D muss aufhören, dieses Geld zu produzieren", wiederholt Stevenson. Aber in ihren Appell mischen sich Zweifel. "Ich habe herausgefunden, dass die deutsche Regierung diese Operation gutheißt", behauptet sie. In Berlin, wo man auf eine härtere Linie in der Causa Mugabe drängt, ist zu diesem Vorwurf keine offizielle Stellungnahme zu hören. Im Auswärtigen Amt heißt es nur, der Fall G & D sei bekannt, man müsse ihn mal genauer unter die Lupe nehmen.

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