DIE ZEIT: Vor einem Jahr haben Sie sich mit neun Mitschülern in Freiburg von der Schule abgemeldet, um sich gemeinsam auf das Abitur vorzubereiten. Wie ist es gelaufen?

Alwin Franke: Noch ist die letzte Prüfung nicht vorbei. Externe Abiturienten müssen einige mündliche Prüfungen mehr machen als reguläre Schüler. Aber alle acht, die bis zum Schluss bei unserer Gruppe geblieben sind, sind ganz gut durch die schriftlichen Klausuren gekommen. Eine von uns muss noch ein bisschen vor einer mündlichen Prüfung zittern, aber wir hoffen, dass sie das schafft. Auch bei mir lief es ziemlich gut. In Französisch, Mathematik und Geschichte habe ich im Schriftlichen 14 Punkte bekommen, in Deutsch 13.

ZEIT: Respekt. Ziel Ihrer Lerngruppe war aber nicht nur das Abitur: Sie wollten ja nicht nur Fachwissen pauken, sondern auch eine Form des Unterrichts finden, die es jedem ermöglicht, so zu lernen, wie er es für richtig hält. Hat das funktioniert?

Franke: Eigentlich ja. Wir sind weggekommen vom Frontalunterricht und vom üblichen 45-Minuten-Rhythmus. Das klappte nach vielen Debatten über den richtigen Weg ganz gut. Wir haben uns einen Raum gemietet, Lehrer ausgesucht, die uns unterstützen und beraten sollten.

ZEIT: Wie haben Sie das alles finanziert?

Franke: Über Sponsoren. Wir haben mit 50000 Euro bis zum Abi gerechnet, davon mussten wir die Raummiete bezahlen, die Lehrer, mit Sozialabgaben waren das 36 Euro pro Stunde. Bei einer Bank hatten wir einen Kredit genommen. Wir haben jetzt einen kleinen Überschuss. Mit dem werden wir unseren Abi-Ball finanzieren, für unsere Sponsoren, unsere Lehrer und ehemaligen Mitschüler.

ZEIT: Gab es Krisen während der Zeit?

Franke: Vor Weihnachten gab es eine Phase, in der wir ziemlich erschöpft waren, wir hatten ja kaum Ferien, zwischenmenschlich hat es da in der Gruppe auch etwas gekriselt. Nach Weihnachten ging es aber wieder besser. Die Zeit nach den schriftlichen Klausuren war dann wieder hart, weil wir noch so viel Stoff in verschiedenen Fächern in kurzer Zeit parallel aufholen mussten.

ZEIT: Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Franke: Gäbe es ein nächstes Mal, würden wir das Projekt auf zwei Jahre anlegen. Wenn man den Stoff der 12. und 13. Klasse in einem Jahr abarbeiten muss, wird das am Ende doch zu viel Lernerei.

ZEIT: Wie geht es jetzt weiter?

Franke: Ich werde erst einmal nach Paris gehen, dort ein soziales Jahr absolvieren bei einer Organisation, die sich um ältere Menschen kümmert. Danach möchte ich Literaturwissenschaft oder Philosophie studieren.

Das Gespräch führte Arnfrid Schenk .