Eigentlich ist Hans-Peter Burghof ein praxisnaher Professor. Doch wenn es um Studiengebühren geht, dürfte der Bankenexperte der Universität Hohenheim froh sein, dass seine Studenten nicht alles in die Tat umsetzen, was sie über Rendite lernen. "Warum soll ich nach Hohenheim gehen, wenn ich dort für meine 500 Euro nur 450 zurückbekomme?", fragt der Prodekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät aufgebracht.

In Rage bringt ihn, dass seine Studenten einen Teil ihrer Gebühren für die Natur- und Agrarwissenschaften bezahlen. So kommen von den 1000 Euro Gebühren, die jeder pro Jahr zahlt, laut Burghof bei einem seiner Studenten weniger als 900 Euro in Form besserer Betreuung oder zusätzlicher Tutorien an, bei einem Naturwissenschaftler jedoch mehr als 1200 Euro. Burghof und einige Kollegen ärgerte das so, dass sie mit einer Klage gegen die Verteilung drohten. Dabei treibt sie nicht Futterneid an – sondern die Konkurrenz.

"Das ist im Wettbewerb tödlich", sagt Burghof, da zum Beispiel an der Universität Mannheim keine anderen Fächern den Wirtschaftswissenschaftlern etwas wegnähmen. "Wer für sein Studium zahlt, möchte das Geld für sein Studium haben und nicht, dass es für Studierende anderer Studiengänge eingesetzt wird."

In Zeiten, in denen Gebührenpolitiker vom Studenten als Kunden sprechen, der in seine Zukunft investiert, klingt das logisch. Doch Hohenheim ist kein Einzelfall. Eine Reihe Unis, besonders in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, verteilt Gebühren zugunsten von Fächern mit höheren Kosten um. Wobei oft die Studenten überfüllter Massenstudiengänge Fächer mitfinanzieren, in denen Studienbedingungen und Berufsaussichten ohnehin besser sind. "Arm subventioniert Reich" statt "Der Kunde ist König" – das könnte die ohnehin mäßige Akzeptanz der Gebühren bei den Studenten weiter untergraben.

Dennoch werden in Hohenheim 15 Prozent der Einnahmen nicht nach der üblichen Regel "Mehr Studenten, mehr Geld", sondern nach der Formel "Je teurer das Fach, desto mehr Geld" verteilt. "Alles, was wir brauchen, ist teurer", rechtfertigt Ute Mackenstedt, Prorektorin für Lehre in Hohenheim und selbst Zoologin, die Sicht der Naturwissenschaften. In den Wirtschaftswissenschaften lasse sich das Studium mit viel weniger Geld verbessern als zum Beispiel in der Biologie, wo eine bessere Ausstattung wie Mikroskope für Laborübungen deutlich mehr koste.

Mit dem gleichen Argument werden in Bonn, Münster, Siegen, Tübingen oder Wuppertal teure Studiengänge unterstützt. Einen ähnlichen Effekt gibt es unbeabsichtigt an Unis, die Gebühren im Wettbewerb zwischen den Fakultäten verteilen: Wer Geld will, muss Anträge schreiben und braucht dafür Zeit und Personal – doch in überfüllten Fächern fehlt beides.

Zudem sind Geistes- und Sozialwissenschaftler im Kampf um Drittmittel meist nicht so geübt wie wirtschaftsnahe Ingenieure oder Naturwissenschaftler. Das rächt sich bei der Vergabe der Gebühren: Wer nicht mithalten kann, wird mit weniger Geld bestraft – und hat künftig noch weniger Chancen. Denn die Starken bauen so ihren Vorsprung aus.