Bart Stupak kennt sich aus mit schweren Jungs. Mehr als eine Dekade lang jagte er als Polizist in der Kleinstadt Escanaba im US-Bundesstaat Michigan Verbrecher. Heute jagt Stupak Spekulanten. Er ist Mitglied der Demokratischen Partei, Abgeordneter im Repräsentantenhaus und Vorsitzender des Energieausschusses. "Wir riskieren, dass unsere Wirtschaft in die Knie geht", sagte Stupak zum Wochenbeginn bei einer Anhörung. Schuld sei die "exzessive" Spekulation an den Rohstoffmärkten.

Das sehen inzwischen viele Politiker aus aller Welt ganz ähnlich. Am Wochenende ging ein eilig einberufener Öl-Krisengipfel im saudi-arabischen Dschidda zu Ende – mit wenigen praktischen Resultaten, aber vielen Schuldzuweisungen. Auf einen klaren Plan konnten die Politiker und Ölchefs sich nicht einigen, auch machte niemand eine wirklich zuverlässige Zusage, mehr Öl zu fördern, auch die Saudis nicht. Aber etliche Entsandte forderten lautstark: Die Spekulation sei einzudämmen.

So vertrat der saudische König Abdullah die Auffassung, dass die Förderländer an der Ölpreisexplosion nicht schuld sein könnten. Auf der Welt gebe es genug Öl. Rapide steigende Preise hätten nicht zuletzt mit "Spekulanten" zu tun, "die den Markt aus egoistischen Interessen spielen" – und außerdem mit der hohen Nachfrage und den Mineralölsteuern in einigen Importländern. Auch Tschakib Chelil, Chef des Exportkartells Opec, sah den Ölmarkt "im Gleichgewicht".

Der nach Dschidda gereiste Bundeswirtschaftsminister Michael Glos mochte dieser Linie zwar nicht ganz folgen, sagte aber, dass man jetzt "unvoreingenommen prüfen" müsse, welchen Einfluss Spekulanten nähmen. In jüngster Zeit hatten sich Politiker aus den Industrieländern schon viel deutlicher geäußert. Bei einem Treffen in Japan rügten die Finanzminister aus Frankreich und Italien kürzlich Spekulationsgeschäfte rings ums Öl, und auf dem Washingtoner Capitol Hill wollen Bart Stupak und seine Mitstreiter in dieser Woche voll aufdrehen. An drei Tagen sind Anhörungen zum Thema Energiespekulation angesetzt. Das geht schon seit Wochen so. Im Kongress stapeln sich Gesetzesentwürfe gegen die Öljongleure.

Energiespekulation ist jetzt das große Thema in Washington

Die Aufregung der Politiker ist verständlich: Der Ölpreis tut ein zerstörerisches Werk in allen Ländern, die auf Energie-Importe angewiesen sind. Rekordpreise für Öl und Gas heizen die Inflation an. Die globale Konjunktur schwächelt. Die kanadischen Ökonomen Jeff Rubpin und Benjamin Tal warnten schon vor einem "Zurückdrehen" der Globalisierung – weil der Warentransport und das Reisen so teuer geworden seien.

Ausgerechnet im urkapitalistischen Amerika hat sich die Stimmung radikal gegen die Spekulanten gedreht. Das hat mit dem Präsidentschaftswahlkampf zu tun – und mit der Tatsache, dass die Amerikaner seit Jahrzehnten an billige Energie gewöhnt sind. Ganz besonders schmerzhaft ist die Lage für die Autofahrer.

In Dollar gerechnet, hat sich der Spritpreis innerhalb von vier Jahren verdoppelt. Als ein Radiosender in Kansas City kürzlich eine Art Rennen zur nächsten Tankstelle ausrief und den 60 ersten Kunden extrem billigen Sprit versprach, kam es zum Verkehrschaos. Hunderte Autos blockierten die Straßen. Sogar der amerikanische Tankstellenverband hat eine Kampagne ausgerufen: "Stoppt die Ölspekulanten!"