Wer steckt hinter Lone Star, dem neuen Eigentümer der IKB? Der Finanzinvestor ist umstritten und wird als "Heuschrecke" geschmäht. In Deutschland kauft die Gesellschaft seit 2004 Kreditpakete in großem Stil auf. Gründer und Chef John Grayken gilt als pressescheu und gibt kaum Interviews - doch vor wenigen Wochen hatte die New Yorker ZEIT-Korrespondentin Heike Buchter die Gelegenheit, ihn persönlich zu treffen. Ihr Porträt des Lone-Star-Chefs und seiner Firma lesen Sie hier.

Das Treffen findet im Büro einer New Yorker Anwaltskanzlei statt. Ein Bürogebäude an der noblen Fifth Avenue, im 26. Stock. John Grayken betritt pünktlich den Konferenzraum. Maßgeschneiderter Nadelstreifen, Einstecktuch, unterm Arm eine lederne Aktenmappe. Der Mann sieht aus wie viele Investmentbanker in dieser Stadt. Nur sein weißblonder Dreitagebart, die Stoppelfrisur und das von Sonnenflecken gesprenkelte Gesicht passen nicht ganz dazu. John Grayken hat auch keine Zeit für den üblichen Austausch von Nettigkeiten.

Er setzt sich auf die Gegenseite des matt polierten Konferenztisches und lehnt sich abwartend zurück. Es ist eine ungewohnte Situation für ihn. Außer seinen Kunden bekommt ihn kaum jemand zu Gesicht, Interviewanfragen sind bis zu diesem Tag routinemäßig abgeschmettert worden. In New Yorker Finanzkreisen ist sein Name kaum jemandem ein Begriff, aber für Tausende deutsche Hausbesitzer und Kleinunternehmer spielt dieser Mann eine entscheidende Rolle. Er ist ihr Kreditgeber.

Der Mann aus Texas trägt keine Cowboystiefel. "Ich besitze nicht einmal ein Paar, glaube ich", sagt er, aber immerhin strahlt auf seinen silbernen Manschettenknöpfen der Texas-Stern. Grayken ist Gründer und Vorstandschef von Lone Star Funds. Die in Dallas beheimatete Anlagegesellschaft – benannt nach dem "einzigen Stern", dem lone star, in der texanischen Fahne – ist das, was in Deutschland "Heuschrecke" genannt wird.

Grayken könnte man als König der Heuschrecken bezeichnen. Sein Fonds kauft in Deutschland Kreditpakete im großen Stil. Erstmals im Jahr 2004. Grayken kaufte für 3,6 Milliarden Euro Darlehen der Hypo Real Estate, einer Abspaltung der HypoVereinsbank. Rund zwei Drittel davon galten als notleidend.

Probleme mit allzu großzügigen Krediten hat es nämlich auch hierzulande gegeben. Als Grayken in Deutschland einstieg, saßen hiesige Geldinstitute nach Branchenschätzungen auf Krediten von umgerechnet 250 Milliarden Dollar, deren Schuldner im Verzug waren oder die Ratenzahlungen ganz eingestellt hatten. Im Überschwang nach der Wende hatten die Banken auf einen Immobilienboom spekuliert, der nie eintraf. Vor allem in den neuen Bundesländern finanzierten sie massenhaft Objekte, die sich weder verkaufen noch vermieten ließen.

Dann kamen die Aufkäufer – doch sie stellten knallharte Bedingungen. Üblich waren bei einem Weiterverkauf solcher Forderungen damals Abschläge von 40 bis 60 Prozent auf den Nominalwert. Angepeilt werden zweistellige Renditen. Der Pionier Lone Star ist bis heute Marktführer geblieben und hat nach eigenen Angaben faule Kredite im Wert von 15 Milliarden Dollar übernommen. Außerdem haben die Texaner die durch Fehlspekulation in Schieflage geratene Gewerkschaftsbank AHBR geschluckt. Im März dieses Jahres sicherten sie sich 1300 Immobilien und Liegenschaften zum Preis von einer Milliarde Euro von der Deutschen Post.