Neue Runde in einem ewigen Streit: Sind Mädchen von Natur aus für Mathematik weniger begabt? Erst kürzlich schien die Antwort zu lauten: Nein, wenn Mädchen richtig gefördert werden, rechnen sie genauso gut wie Jungen. Früher hatten Studien reihenweise den Mädchen geringere Matheleistungen attestiert – bis der italienische Ökonom Luigi Guiso die Pisa-Daten von 2003 analysierte und in Science zu dem Ergebnis kam: Wo Gleichberechtigung herrscht wie in Schweden oder Norwegen liegen die Mädchen gleichauf.

Kaum hat dieses Ergebnis für Aufsehen gesorgt, rollt ein Team des Berliner Max-Plank-Instituts für Bildungsforschung den Fall neu auf. Martin Brunner, seit Kurzem an der Universität Luxemburg, und seine Kollegen halten den üblichen Forschungsansatz für zu schlicht.

Normalerweise werden mathematische Leistungen geradlinig auf die Fähigkeit zum mathematischen Denken zurückgeführt. Nun wissen Psychologen aber, dass Aufgaben aller Art auch mit Hilfe der sogenannten allgemeinen Intelligenz gelöst werden. Solche Feinheiten spielten in den bisherigen Studien zum Thema – die meist von Pädagogen stammen – allerdings keine Rolle.

Bei Brunner schon. Der Psychologe analysiert in der Fachzeitschrift Intelligence die Pisa-Daten von 2000 aus Deutschland. Beim simplen Vergleich der mathematischen Leistungen erweisen sich die Jungen im Schnitt als besser, aber der Unterschied ist klein. Dann rechnet Brunner die allgemeine Intelligenz heraus und stellt fest: Drei von vier Schülern verfügen über eine höhere Mathematikfähigkeit als Mädchen – unabhängig von der sozialen Förderung.

Gibt es also doch ein männliches Mathe-Gen? Mädchen können sich immerhin damit trösten, dass nach Brunners Analysen die allgemeine Intelligenz für Algebra und Co. fünfmal so wichtig ist wie die spezielle Mathematikfähigkeit. Und in Bezug auf die allgemeine Intelligenz liegen beide Geschlechter gleichauf. Im Übrigen können sich die Mädchen ein Beispiel an den Isländerinnen nehmen: Die rechnen nämlich, allen psychologischen Korrelationen zum Trotz, inzwischen besser als isländische Jungen.