Mit großem Gerassel und Gebrumm bricht die Kanzlerin zu einer vermutlich triumphalen Reise durch die deutsche Bildungslandschaft auf – und zeigt der SPD, worüber sie im Wahlkampf mit den Wählern reden möchte. Was die Bildung anlangt, ist das Schweigen der Sozialdemokraten jetzt schon hörbar. Wer von Chancengleichheit redet, muss seine Chancen ja nicht unbedingt nutzen, hat aber dann immer noch die Gleichheit. Abgesehen davon liegen die Wahlkampfthemen für die SPD geradezu auf der Straße: Großes tut sich in und um Berlin. Die Spreewälder Gurken beispielsweise blähen sich heuer in Schallgeschwindigkeit zu Gigagurken auf, so viele, dass man sie schon wegschmeißen muss. Und weiter: Nach Jahrzehnten wächst die Berliner Bevölkerung wieder. 194 mehr Neugeborene als Todesfälle. Da wird Energie frei. Man hatte gedacht, die Hauptstadt arbeitet seit Jahren sexuell am Limit, aber es ist noch was drin. Sogar im Kanzleramt purzeln jetzt die Babys, nachdem Gerhard Schröder seine Mitarbeiterinnen mit jahrelangem Schwangerschaftsverbot belegt hatte. Freiheit zur Lebensfreude, ruft die CDU, auch wenn bei Merkels keiner mehr da ist, den Telefonhörer abzunehmen. Deutschland schwillt an. Das mit dem Kinderkriegen hat sich die CDU auch auf ihre Fahnen geschrieben. Aber jedenfalls das Gurkenthema könnte ein SPD-Politiker doch für seine Partei hochziehen. Spreewälder Umsonst-Gurken für alle, wässrige Gurkengleichheit. Schon um das alte neoliberale Sprichwort Lügen zu strafen: "There is no such thing like a free cucumber sandwich." Thomas E. Schmidt

Berliner Bühne