Der erste Reflex ist Empörung. Wie kann man ein solches Schriftstück verbreiten: detaillierte Anleitungen zum Suizid? Was kann ein solches Werk in den Händen liebeskranker Teenager anrichten?

Wer sich jedoch in das niederländische Buch Wege zu einem humanen, selbstbestimmten Sterben vertieft, das seit dieser Woche im Internet auch in einer deutschen Übersetzung vertrieben wird, der wird jedenfalls in dieser Hinsicht beruhigt. Was der Arzt Pieter Admiraal und seine Mitautoren zusammengetragen haben, das eignet sich nicht zu einer spontanen Umsetzung. In den Niederlanden ist das Buch schon seit Jahren in Umlauf. Suizidfälle unter Jugendlichen mit seinen Methoden gebe es nicht, versichert der Verfasser. Zwar sei die Publikation "unerwünscht", bestätigt die Reichsregierung auf eine Parlamentsanfrage hin, aber "das bedeutet noch nicht, dass dadurch die Suizidprävention untergraben würde".

Jedenfalls für den deutschen Leser ist Admiraals Buch dennoch eine schockierende Lektüre. Das mag an der kühlen Gelassenheit liegen, mit der er sich dem Thema des Freitods unter technischen Gesichtspunkten nähert. Vor allem aber liegt es an der kompletten Abwesenheit aller normativen Erwägungen. Wer sich umbringt, glaubt Admiraal, der sollte wissen, was er tut. Sein Buch verrät nur, wie es getan wird.

Wäre es besser, es wäre nie geschrieben worden? Mit einigem Recht verweist der Autor auf die grausigen Folgen unbrauchbarer Anleitungen zum Suizid, die im Buchhandel und im Internet zu finden sind. Die Rentnerin Bettina Sch., die gerade mit Beistand eines Hamburger Ex-Senators aus dem Leben schied, hatte sich eine ältere Fassung seines Buch verschafft und sie ins Deutsche übersetzt. Unterdrücken lassen sich solche Informationen offenbar nicht. Wer sich an Admiraals Buch stört, der sollte sich also darauf konzentrieren, für eine bessere Version eines würdevollen Sterbens zu werben. F. D.

P. Admiraal et. al.: Wege zu einem humanen, selbstbestimmten Sterben

Stiftung Wozz, Amsterdam 2008, 144 Seiten, 25,– €