Orson Welles: Der Prozess

Eine Liste mit etwa hundert Romanen, erzählte Orson Welles einmal, hätten ihm seine Produzenten für eine Verfilmung vorgelegt. Er entschied sich für Kafkas Der Prozess. Schon immer war Welles von Helden fasziniert, die sich auf der Suche nach dem Selbst verlieren. Den nach seiner Schuld suchenden Angeklagten Josef K. (Anthony Perkins) jagt er durch expressionistische Tableaus, die in ihrer Tiefenschärfe einen brutalen klaustrophobischen Sog entwickeln. Wieder einmal bewies Welles seinen Sinn für labyrinthische Bilderwelten. Selbst thront er als Anwalt von Josef K. in einem Riesenbett. Auch wenn er keine Antworten für seine Klienten parat hat, meint man, ein wissendes Lächeln auf seinen Lippen erkennen zu können.

Universal, 108 Min.