jazz

Das proletarische Akkordeon hat die erstaunlichsten Renaissancen erlebt. Astor Piazzolla hat dem Bandoneon den Tango Nuevo erfunden und Dino Saluzzi darauf argentinische Sehnsuchts- und Erinnerungsstürme entfacht. Richard Galliano ist seit Jahren mit seiner Nouvelle Musette unterwegs. Mit all dem hat Hans Hassler, der mit seinem gewaltigen Bart aussieht wie der als Alm-Öhi verkleidete liebe Gott himself, wenig zu schaffen. Nicht einmal neue Volksmusik kann man die leibhaftige Tonkunst auf seiner jüngsten CD mit dem schönen Titel sehr schnee – sehr wald, sehr nennen. Er zaubert eine ganze Welt aus seinem Balg: unterschiedlichste Gefühlslagen von bizarr exzentrischen Dadaismen zu sentimentalen Anwehungen, von grummelnden, tiefen Nachdenklichkeiten über gefährliche Aggressionsanfälle bis zu fein gesponnenen Poesien.

Hasslers Biografie ist dementsprechend: Anfänge als eine Art Kinderstar im Ländlertrio mit seinen Brüdern, drei Jahre unterwegs mit dem Schlagersänger Peter Hinnen (7000 Rinder), Studium an der Musikakademie Zürich (Klavier, Klarinette, Kontrabass), Dixieland-Musiker, Mitglied des Schanfigger Ländlerquintetts, von Hans Kennels Gruppe Habarigani, der Marco Käppeli Selection, des Vienna Art Orchestras, Beschäftigung mit zeitgenössischer E-Musik. All das gärt im Bauch von Hasslers Akkordeon und tropft und quillt aus diesem heraus. Er collagiert seine weit auseinanderliegenden Quellen nicht, er verdaut und verwandelt sie. Hassler, der Vulkan, Hassler, das Gesamtkunstwerk. Sehr virtuos und ohne jene krachende Humorigkeit , die sonst im Niemandsland zwischen Volks- und Kunstmusik so gern ins Kraut schießt. peter rüedi

Hans Hassler: sehr schnee – sehr wald, sehr

Intakt CD 147